Tarifa

Nach einer relativ kurzen Fahrt mit der Fähre kommen wir in Algeciras, Spanien, Europa an. Die Abfertigung beim Zoll geht so schnell, als würden wir durch einen Drive in fahren. Wir müssen nicht einmal aussteigen und werden nicht durchsucht. Kaum jemand wird durchsucht, erst recht nicht gründlich. Ein Zöllner fragt uns mit einer lauten, krächzenden Stimme: „Caravana?“ – „Siiiiiii“ lautet die Antwort. Erinnert uns an den Film „Die Minions“ und die Frage: Banana?

Schneller als wir es realisieren können, sind wir in Spanien. Irgendwie ein seltsames Gefühl, so als ob alles schon vorbei wäre.

Da morgen kein Wind angesagt ist, fahren wir nicht nach Tarifa, sondern machen noch einen Abstecher nach Norden. Morgen ist ein idealer Tag, um sich Gibraltar anzusehen. Also fahren wir zwanzig Minuten bis La Linea. Dort gibt es einen günstigen Stellplatz am Meer neben einem Fußballstadion und bis Gibraltar muss man nur zwanzig Minuten laufen. Weil es schon 23 Uhr ist, essen wir bei McDonalds. Wie auf einem anderen Planeten…

Am nächsten Morgen machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Gibraltar, das zu England gehört. Natürlich muss man auch hier durch den Zoll und seinen Pass vorzeigen. Mit dem Linienbus fahren wir ins Zentrum und laufen durch die Innenstadt, bis wir an der Seilbahn ankommen, mit der man bis nach oben auf den Felsen fahren kann. Vorher heißt es jedoch anstellen. Wir stehen über eine halbe Stunde in der Warteschlange, obwohl die gar nicht so lang ist, und müssen dann tatsächlich 33,- Euro zahlen, um in zwei Minuten auf den Berg gefahren zu werden. Der Preis ist einfach ungeheuerlich, ein Grund, warum wir zu Fuß wieder herunter laufen, nachdem wir oben ein paar Fotos geschossen und uns die Affen angesehen haben.k-_DSC1020k-_DSC0987k-_DSC0999k-_DSC0994k-_DSC1007k-_DSC0976k-_DSC0978

Nach einem leckeren Baguette als Mittagessen verlassen wir dieses Stückchen England wieder. Der Zöllner löst gerade Kreuzworträtsel, so dass wir diesmal keinen Pass vorzeigen müssen. Zurück am Parkplatz steht ein anderer Offroader aus Köln neben uns, von der Besatzung jedoch keine Spur. Wir finden auch niemanden, bei dem wir den Parkplatz bezahlen können und fahren schließlich einfach so los. Das Ziel ist Tarifa, die südlichste Stadt Europas.

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Bei Wind- und Kitesurfern seit Jahren bekannt für die guten Surfbedingungen. Hier treffen Mittelmeer und Atlantik aufeinander und man kann Marokko noch am Horizont sehen.

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Da ich vor zwölf Jahren das letzte Mal hier war, weiß ich noch, wo wir mit dem Truck parken können, denn die Straßen in der Altstadt sind fast so eng wie in einer marokkanischen Medina. Von unserem Parkplatz brauchen wir eine Viertelstunde bis zur Innenstadt. Wir laufen die Hauptstraße entlang, wo sich ein Surfshop neben den anderen reiht.

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Einiges hat sich in den letzten Jahren geändert, aber vieles ist auch gleich geblieben. Also trinken wir erst einmal einen Wein im La Tribu, einer Surferbar, die es schon immer hier gibt. Anschließend einen Cocktail im Taco Way, wo wir mit zwei Gästen von KiteWorldWide verabredet sind. Die Unterkunft, das KiteWorldWide Town House, ist direkt hinter der nächsten Ecke. Die Lage ist einmalig und von der zweistöckigen Dachterrasse kann bis zum Hafen und sogar bis Marokko schauen, auf der andern Seite die Dächer von Tarifa.

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Hier gefällt es uns so gut, dass wir spontan entscheiden, eine Woche einzuziehen. Ursprünglich wollten wir hier nur kurz Hallo sagen, weil wir den Wagen hier nicht parken können, aber die Viertelstunde Fußmarsch nehmen wir gern in Kauf.

In den nächsten drei Tagen weht der Poniente, ein auflandiger Wind, leider nicht sehr stark. Wir gehen zwar auch mit großen Kites aufs Wasser, aber nutzen diesmal die Gelegenheit, an der Whalewatchingtour teilzunehmen. Bei der Schweizer Stiftung Firmm fühlen wir uns gut aufgehoben. Zunächst gibt es einen Vortrag über die Straße von Gibraltar und Hintergrundwissen über die Wale, die man hier sehen kann. Dann starten wir zu einer zweistündigen Tour mit dem Boot und sehen tatsächlich Wale! Zuerst zwei große Finnwale, dann mehrere Gruppen von Pilotwalen und zwei Tümmler (Delfine). Die Pilotwale und Delfine kommen sogar bis ans Boot und schwimmen neben dem Bug mit. Ich konnte mir am Bug den besten Platz sichern und einige gute Bilder machen.

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Kaum zu glauben, dass da zwischen den ganzen großen Schiffen Wale umher schwimmen und wir ein paar Kilometer weiter, sogar in Sichtweite, kiten gehen. Erneut ein sehr beeindruckendes Erlebnis.

Wenn der Wind von Poniente auf Levante, einen starken ablandigen Wind, wechselt, gibt es meistens einen Tag gar keinen Wind. Beim gemeinsamen Frühstück im KiteWorldWide Town House beschließen wir, zusammen mit den anderen Gästen in die nächste Bucht nach Bolonia zu fahren. Zunächst sind wir neugierig auf die Ruinen der römischen Stadt Baelo Claudia, die man als Europäer dort kostenlos besichtigen kann.

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Nach einem kulturellen Rundgang unter der spanischen Sonne brauchen wir schnell ein paar kühle Getränke. Die finden wir am Ende der Bucht in der Bar La Cabana, die ich auch noch aus der Vergangenheit kenne.

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Die Bucht hat einen traumhaft schönen Strand, die Wasserfarben sind wie in der Karibik und es gibt freilaufende Rinder und Pferde. Wir verbringen den restlichen Tag am Strand und als wir ins Town House zurückkommen, ist der Kühlschrank bereits gefüllt, denn heute Abend gibt es ein Barbecue von KiteWorldWide.

Gabriele, der alles organisiert hat, schmeißt den Grill an und es wird mal wieder richtig lecker. Es gibt Cerveza und Vino und wir sitzen noch lange auf der Dachterrasse und quatschen.

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Am nächsten Morgen ist er endlich da: Levante, der starke, ablandige Wind, der heute leider doch nicht so stark ist, wie sonst. Gabriel bringt uns zu einer Stelle am Strand, wo es nicht so voll und der Wind nicht so böig ist. Weil der Wind ablandig ist, entstehen kaum Wellen und man kann entspannt über das glatte Wasser kiten. Zwei Boote sind im Wasser, die für Sicherheit sorgen, falls es jemand mal nicht zurück an Land schaffen sollte. Josi und ich haben den bisher schönsten Kite-Tag in Tarifa, auch wenn wir nicht immer genug Druck im Kite hatten.

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Fast überall werden wir auf das Auto angesprochen, vor allem am Strand, dort wo die meisten Kiter unterwegs sind. Heute morgen haben ein paar Leute vor dem Truck Selfies gemacht. Die Gruppe kam aus allen Ecken der Welt: Holland, Argentinien und Australien und der Argentinier kannte das Auto sogar aus dem Blog von KiteWorldWide! Alle paar Minuten hält jemand mit seinem Wagen an und macht schnell ein Handyfoto. Bald sind wir berühmt 😉

Zum Steak essen kann ich übrigens das Vaca Loca sehr empfehlen. Steak und Pommes habe ich selten so gut gegessen wie dort. Tapas schmecken im El Feo sehr gut, Pizza im La Tabla oder auch im La Tribu. Abgesehen davon gibt es in Tarifa so viele Restaurants, dass man fast überall gut essen kann.

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Auch hier vergeht die Zeit wie im Flug und wir treten die Weiterreise an. Erneut haben wir viele nette Menschen kennengelernt und wären am liebsten noch länger hier geblieben.

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