Resümee Marokko

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Wir waren nun knapp 2,5 Monate in Marokko, davon einen Monat nur In Dakhla. Die Zeit verging wie im Flug und fühlte sich an wie zwei Wochen.

Das Land hat uns sehr gut gefallen, es gibt alles von Schnee bis Wüste, von Großstadt bis Einsamkeit. Bis auf Alkohol oder westliche Importgüter ist alles günstiger als in Europa und wenn man bei der Wahl der Speisen etwas flexibel ist, kann man sich überall günstig selbst verpflegen.
Fast alles, was einmal gebaut wurde, scheint nie ganz fertig geworden zu sein und anschließend auch nie gut gepflegt worden zu sein. Vieles macht einen sehr herunter gekommenen Eindruck.
Die Menschen sind sehr bemüht und hilfsbereit, auch wenn es mit der Verständigung oft schwierig war, weil ich gar nicht und Josi nur etwas französisch spricht.
Wir hatten nie Sicherheitsbedenken, sei es allein in der Wüste oder nachts an einer Ausfallstraße in Marrakesch. Uns wurde ein paar Mal Haschisch angeboten, aber nie aufdringlich oder bösartig, auch wenn wir abgelehnt haben.
Zwei Mal hatten wir das Gefühl, übers Ohr gehauen zu werden, und zweimal haben wir es vorher bemerkt, es ging aber nie um große Summen dabei:
– ein Campingplatz sollte erst 5€ kosten, bei Abreise waren es dann aber 10€ was in keinem Verhältnis zum Platz im Vergleich zu anderen Plätzen stand.
– beim Kauf des Fährticktes für die Rückfahrt wollte einer der Verkäufer plötzlich extra bezahlt werden, weil er für uns die Zollformalitäten regeln wollte. Er hat dann 5€ bekommen, wollte aber das Doppelte und ist dann ohne überhaupt etwas zu tun mit dem Geld einfach abgehauen.
– Einen Versuch eines Campingplatzbetreibers haben wir bemerkt, weil er es einfach übertrieben hat. Er wollte uns für den zehnfachen Preis, den andere verlangen, den Weg zum Erg Chegaga zeigen.
– ein Taxifahrer hat ebenfalls versucht, das Doppelte zu verlangen, aber wir kannten den üblichen Preis und haben nicht mehr gezahlt.

Ideal zum Kiten sind Dakhla und Essaouira, beides Ziele, die von KiteWorldWide angeboten werden. Natürlich gibt es noch andere mögliche Spots, aber diese beiden sind wirklich herausragend.

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Marcos Highlights:
– die Wüstenregionen Erg Chegaga und Erg Chebbi und das Fahren im weichen Sand
– die Zeit in Dakhla mit Übernachtung an der weißen Düne und Foilkiten am Speedspot
– der abenteuerliche Tizi-n-Test- Pass im Nebel nach einigen Erdrutschen

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Josis Highlights:
– der Delfin, den sie beim Kiten in Dakhla gesehen hat
– die Souks in Marrakesch, die ein Labyrinth aus tausend kleinen Gassen waren
– die Fahrt über den ausgetrockneten See beim Erg Chegaga, als sie selbst am Steuer saß

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Es gibt noch so viele andere Orte oder Situationen, die uns beeindruckt haben, aber die hier haben es ganz nach oben geschafft. Natürlich gibt es auch einige Orte, die wir nun einmal gesehen haben, aber nicht erneut besuchen würden.

Was uns nicht gefallen hat: Man kann kaum irgendwo anhalten oder herumlaufen, ohne von irgendjemanden angesprochen zu werden, der einem etwas verkaufen will, oder ein Geschenk haben will, sei es Kleidung, Werkzeug oder einfach Geld. Besonders Kinder sind in dieser Hinsicht nicht schüchtern. Auf Dauer kann das schon sehr anstrengend sein.

Hier noch einige Zahlen für die Statistik: Seit unserer Abreise Anfang März aus Deutschland haben wir folgende Ausgaben gehabt:

Fähre: 930,- € (760 € Genua bis Tanger, 170 € Tanger-Algerciras)

Maut: 66,- € (24 € in der Schweiz, 25 € in Italien, 17 € in Marokko)

Diesel: 1141,- € (144 € für 150 Liter in Deutschland, 997 € für 1545 Liter in Marokko)

Sonstige Ausgaben (Essen, Camping, …): 1394,- €

Summe: 3701,- €

Dazu muss man sagen, dass wir im April dank unseres Sponsors KiteWorldWide sogut wie keine Ausgaben hatten.

Wir haben mit 1695 Litern Diesel 8437 Kilometer zurückgelegt, was einem Durchschnitt von 20 Litern/100 Kilometer entspricht. Ich musste kein Öl nachfüllen. Außer zwei Sicherungen im Aufbau und einer kaputten Tasse gab es keinerlei Schäden oder Verluste. Der Dieselpreis in Marokko und der Westsahara lag zwischen 0,45 € und 0,78 €, im Durchschnitt bei 0,65 €.

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Wir kommen wieder! Inshallah…

1000 Kilometer in zwei Tagen

Knapp einen Monat sind wir jetzt im KiteWorldWide Villa Camp in Dakhla und sind jeden Tag auf dem Wasser. Ich kann inzwischen auch ganz gut mit dem Hydrofoil umgehen und Josi verbessert ihre Sprungtechnik.

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Aber irgendwann müssen auch wir Abschied nehmen, was uns nicht leicht fällt. Wir haben hier viele nette Menschen und vielleicht auch neue Freunde kennen gelernt. Einige von Ihnen werden wir hoffentlich bald in Deutschland oder Dänemark wiedersehen. Die lustigen Abende mit den beiden Kitelehrern Naji und Larbi vermissen wir jetzt schon 😉

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Obwohl wir erst kurz vor Mittag los kommen, schaffen wir an diesem Tag 570 Kilometer und finden pünktlich zum Sonnenuntergang einen Schlafplatz zwischen Laayoune und Tarfaya. Wir haben wieder die Straße am Meer entlang genommen. Hier gibt es ein sehr schönes Dünengebiet, das zu Sonnenuntergang noch einmal schöner aussieht, als wir es vom Hinweg in Erinnerung haben. An einer großen Düne verlassen wir die Straße und fahren vorsichtig auf steinigem Untergrund in das Gebiet hinein, bis wir hinter der großen Düne stehen. Man hört das Meer rauschen und kann es vom Gipfel der Düne aus auch sehen.

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Am nächsten Tag machen wir den Tank noch an einer der letzten subventionierten Tankstellen voll. Ich soll 355 Dirham zahlen, gebe dem Tankwart 405 Dirham und bekomme 150 (also 100 zu viel) zurück. Ob so die Subvention funktionieren soll?

Wir passieren ein großes Salzabbaugebiet umgeben von Dünen und erneut sieht die Landschaft heute schöner aus als auf dem Hinweg.

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Hinter Tan-Tan am Dra-Tal machen wir einen Abstecher zum Fort Tafnidilt. Ähnlich wie beim Fort Bou-Jerif gibt es eine alte Fort-Ruine auf einem Berg und kurz dahinter ein sehr gut gepflegtes Hotel mit Pool und Stellflächen für 4×4, denn normale Womos erreichen diese Unterkunft dank Sand und Steinpiste erst gar nicht. Wir überlegen, hier zu übernachten, aber es ist heiß und kein Wasser im Pool! Übrigens haben wir in den letzten zwei Monaten noch nie einen vollen Pool gesehen….

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Also peilen wir den Supermarkt in Guelmim an, in dem wir uns zwei Stunden später mit Lebensmitteln eindecken.

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Dann geht es zur nächsten Oase auf einen kleinen, familiären Campingplatz, auf dem wir endlich mal wieder mit Tee empfangen werden. Wir haben heute wieder 400 Kilometer geschafft, sind müde und freuen uns auf Bolognese mit echtem Hackfleisch, aber eine Einladung vom Hausherrn zum Tee kann man ja nicht ausschlagen. Als er uns dann eine Stunde später auch noch zum Fisch essen einladen möchte, müssen wir dankend ablehnen. Dazu sind wir wirklich zu müde. Unter anderen Umständen wäre das bestimmt eine schöne Erfahrung gewesen.

Wir wollen noch einmal zum Plage Blanche fahren, der bei vielen Offroadern beliebt ist. Es gibt eine sehr lange Route, die schon bei Fort Tafnidilt beginnt, aber auf zwei Tage steinige Piste im zweiten Gang haben wir keine Lust. Am Ende der langen Route hat man die Wahl oben auf dem Plateau entlang zu fahren, oder 30 Kilometer direkt am Strand. Wir fangen direkt beim Strand an. Um dorthin zu gelangen, muss man zunächst ein Flußdelta überwinden. Zwei Kiometer vor der Mündung gibt es eine Furt mit einem steilen, kurzen Anstieg. Dann noch ein paar tiefe, steile Löcher überwinden, die durch Erosion entstanden sind, und eine sandige Piste, die gerade breit genug für den LKW ist. Wir sind am Strand. Es gibt ärmliche Fischerhütten und es findet gerade ein Motorrad-Event statt. 50 Enduros, zwei Jeeps für Medical Assistance, ein Iveco 4×4 und ein MAN 4×4 sind dabei. Wir fahren noch ein paar Meter weiter, bis der Sand weicher wird und lassen wieder Luft aus den Reifen. Wir wagen den Versuch, am Strand entlang zu fahren. Für ein paar Minuten geht das ganz gut. Irgendwann wird mir das jedoch zu heikel. Der tiefe Sand wird immer mehr und der Wagen kann die Drehzahl nicht immer halten, weil es zu viel Kraft kostet, die Räder im dritten untersetzten Gang durch den Sand zu bewegen. Und runterschalten geht auch nicht, dann würden wir sofort stehen bleiben. Also einen großen Bogen fahren und zurück. Hinzu kommt, dass gerade Flut ist und wir nicht wissen, ob sie noch höher steigt. Irgendwann werde ich mir diesen Strand noch einmal vornehmen, dann aber mit mindestens zwei Fahrzeugen, bei Ebbe und mit mehr Mut.

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Die nächsten zwei Nächte verbringen wir in Sidi Ifni. Die Stadt ist durch spanischen Einfluss geprägt und gefällt uns sehr gut. Man merkt, dass ab hier der Tourismus so richtig beginnt. Es gibt unzählige Restaurants und wir essen zum ersten Mal wieder eine Pizza! Mmmmmmh!

Im Winter muss es hier sehr voll sein, denn es gibt drei große Campingplätze nebeneinander. Jetzt stehen wir fast allein. Auch unter Surfern ist der Ort bekannt. Es gibt mehrere Surfshops und man sieht täglich Wellenreiter auf dem Wasser. Aber auch die Wellensaison ist fast vorbei. Mitten in der Nacht ist der ganze Strand voller Angler. Tagsüber sieht man niemanden.

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Ich nutze die Zeit und schmiere zum ersten Mal alle Gelenke der Antriebswellen und die Lager an der Vorderachse mit der Fettpresse ab. Klappt ganz gut. Ich hätte nicht gedacht, dass eine ganze Tube Fett dabei drauf geht. Durch die Vibrationen der vielen Kilometer haben sich einige Schrauben in einem Schrank gelockert, im Stauraum sogar selbst herausgedreht. Aber es sind immer noch mehr als genug Schrauben fest, sodass wir uns auch hier keine Sorgen machen.

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Einige Kilometer nördlich von Sidi Ifni gibt es drei Felsbögen am Strand, unter denen man hindurch laufen kann. Die Zufahrt geht so steil und ausgewaschen nach unten, dass man hier mit einem normalen Wohnmobil kaum eine Chance hat und wir erst glauben, den falschen Weg genommen zu haben. Nach einer Kurve ist dann aber alles voll mit weiteren Autos und es haben sich unzählige kleine Restaurants angesiedelt. Wir haben vergessen, dass Sonntag ist und wir nicht die einzigen sind, die sich diese Sehenswürdigkeit anschauen wollen.

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Abends erreichen wir Aglou Plage. Hier wollen wir den Regen aussitzen, der für die nächsten zwei Tage angesagt ist.

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Tropisches Klima

Während unseres Aufenthaltes bei KiteWorldWide in Dakhla ist die Unterkunft immer voll ausgebucht. Für zwei Nächte haben wir kein Zimmer. Da wir in dieser Zeit sowieso im Truck übernachten müssen, nutzen wir die Zeit und machen noch einen Ausflug nach Süden. Auf dem Weg dorthin können wir einen unserer Kitespots, die Weiße Düne, einmal aus einer anderen Perspektive sehen.

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Dann überqueren wir den Nördlichen Wendekreis. Ab hier befinden wir uns offiziell in den Tropen. Wir können das Schild natürlich nicht einfach links liegen lassen und so hat es jetzt noch zwei Aufkleber mehr. Findet Ihr die Sticker von KiteWorldWide und Stranddeko? 😉

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Es gibt noch ein paar Stellplätze am Meer, die wir uns ansehen wollen. Der erste hat den idyllischen Namen Puerto Rico. Von einem alten, kleinen Turm hat man einen tollen Überblick über die Bucht.

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Wir sind die einzigen hier, aber da es noch früh am Tag ist, fahren wir weiter. Den nächsten Platz finden wir nur aufgrund der GPS-Koordinaten. Es gibt keinen „Weg“, nur ein paar Autospuren, und man kann mittlerweile nicht mehr bis ans Wasser fahren, weil das letzte Stück gesperrt ist. Wir gehen also den letzten Kilometer zu Fuß und finden erneut einen menschenleeren Strand vor. Leider liegt unglaublich viel Müll herum. Sonst wäre es hier richtig schön.

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Weiter geht es nach Süden. Die Straße ist gut und wir sehen kaum andere Autos. Nur gelegentlich begegnen uns LKWs auf dem Weg nach Mauretanien oder zurück. Die Landschaft sieht fast immer gleich aus: Karge Steppe mit knöchelhohen Sträuchern. Nach einer Weile wird es sandiger und Warnschilder weisen auf Sandverwehungen hin.

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Die Straße verläuft jetzt nicht mehr ganz so nah an der Küste und vor uns liegt nicht mehr viel Sehenswertes. Da uns die Plätze heute auch nicht als Übernachtungsplätze gefallen haben, brechen wir unseren Ausflug ab und fahren zurück zu unserem Lieblingsplatz: Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir die Weiße Düne 🙂

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Hier bleiben wir zwei Nächte und sind wie immer abends allein. Am ersten Abend haben mit einem Reifen auf einer Sandverwehung geparkt, damit das Auto gerade steht. Nach einer halben Stunde gibt es plötzlich einen Ruck. Was war das? Haben wir einen Platten? Ich gehe das mal checken. Kein platter Reifen. Aber lustigerweise hat der Reifen den Wind so verwirbelt, dass der Sand unter dem Reifen langsam abgetragen wurde und das Auto dann irgendwann abgesackt ist. Im Laufe des Abends wiederholt sich das so lange, bis wir irgendwann auf festem Untergrund stehen und die kleine Sandverwehung komplett verschwunden ist.

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Tagsüber steht Kiten auf dem Programm. Natürlich auch während unserer Zeit im Camp von KiteWorldWide. Joo, eine Dänin, die wir hier kennenlernen, schießt täglich hunderte von Kitebildern und natürlich auch einige von uns. Hier eine kleine Auswahl 😉

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Ich habe eine WOO dabei, ein kleines Gerät, welches die Sprunghöhe beim Kiten misst. Wenn man Internet hat, kann man die Aufzeichnung hochladen und wenn man es unter die Top 15 schafft, bekommt man abends eine Mail. Man kann sich dann landesweit, je Kontinent und sogar global mit anderen Kitern vergleichen. In Afrika scheinen noch nicht viele Kiter das Ding zu nutzen, jedenfalls schaffe ich es täglich auf einen der ersten drei Plätze, einmal sogar auf Platz 14 weltweit, obwohl mein Sprung nicht besonders hoch war. Einmal lande ich mit nur 7,4 Metern und meinem viel zu kleinen Kite (7er Vegas, obwohl andere 10 und größer fahren) trotzdem auf Platz 1.

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Kitesurfen in Dakhla

Die Tage in Dakhla vergehen wie im Flug. Wir sind im Urlaubsmodus. Zunächst wurden wir standesgemäß mit Tee bei unserem Sponsor KiteWorldWide empfangen 😉

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Schon am ersten Tag haben wir Muskelkater vom Kiten. Kein Wunder, denn wir saßen ja einen Monat lang nur im Auto und haben keinen Sport gemacht. Es tut gut, mal eine Pause vom Fahren einzulegen und eine feste Anlaufstelle bei KiteWorldWide zu haben. Für uns sehr ungewohnt ist, dass es hier drei üppige Mahlzeiten am Tag gibt. Verglichen mit dem letzten Monat ist das wohl der größte Luxus auf unserer Reise. Wir müssen uns um nichts kümmern. Da die Unterkunft fast ausgebucht ist, haben wir nicht durchgehend das gleiche Zimmer, sondern müssen ein wenig wandern und überbrücken. Zunächst wohnen wir eine paar Tage in einem Riad Room. Davon gibt es sechs um einen kleinen Innenhof herum. Sehr gemütlich mit toller Beleuchtung.

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Später wohnen wir eine Zeit lang in einer Mini Villa: Ein freistehendes Bett mitten im Raum mit einer großen Fensterfront zur Lagune ausgerichtet. Hier kann man auch mal einen Tag nur den Ausblick genießen und nicht aufs Wasser gehen. Der Rest der Villa besteht eigentlich aus Badezimmer. Ein Raum für die Toilette, einer für die Dusche und viel Platz für zwei Waschbecken. Das beste ist aber der nicht einsehbare Bereich dahinter: Hier verbirgt sich eine Außendusche und eine außen liegende Badewanne. Das ist wirklich Luxus in einer Region, in der eigentlich Wassermangel herrscht.

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Die Nächte, in denen wir keinen festen Schlafplatz haben, verbringen wir natürlich in unserem Auto. Unter anderem haben wir bei der Duna Blanca, der weißen Düne von Dakhla, übernachtet. Nicht weit von dem Abschnitt, an dem wir auch oft Kiten waren, befinden sich mehrere kleine Plateaus, die einen sehr schönen Ausblick über die ganze Lagune bieten. Vor allem der Sonnenuntergang über der Lagune, mit Dakhla im Hintergrund, ist besonders schön. Der ganze Horizont leuchtet orange. Spät abends nimmt auch der Wind ab, so dass es wieder unglaublich leise wird. Wir sind wieder ganz allein.

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Am nächsten Morgen fliegt ein Schwarm Flamingos vorbei und wir können einige kleine Geckos beim Sonnen beobachten. Dann haben wir auf einmal das Gefühl, dass sich der Strand bewegt. Der Blick durch das Teleobjektiv verrät: Es sind hunderte von Krabben, die dort bei Ebbe herumkrabbeln. Wir laufen schnell hinunter, um ein paar Bilder zu schießen. Das Geräusch der vielen kleinen Beine auf dem Sand klingt wie in einem Horrorflim! Abgefahren!

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Bei Flut ist die Weiße Düne unser Lieblings-Spot zum Kiten in Dakhla. Kurz vor unserer Ankunft war der Sohn des Königs ebenfalls zum Kiten bei der Düne. Das erklärt auch das Militär und die beiden Mega-Mobile, die uns bei der Anreise entgegen gekommen sind. Seinetwegen wurde auch der ursprüngliche, schmale Track durch die Wüste zur Düne durch eine breite Piste ersetzt, die es jetzt auch weniger geländetauglichen Autos ermöglicht, dorthin zu gelangen. Die Düne, wir schätzen sie auf eine Höhe von zehn Metern und eine Breite von 100 Metern, liegt sichelförmig im türkisfarbenen Wasser. Wer sich traut, kann mit dem Kite von ganz oben hinunter springen und landet auf spiegelglattem Wasser.

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Das wäre bestimmt auch was für unseren Kumpel Steven. 😉 Es ist meist leer dort. Lediglich einmal am Tag kommt eine Gruppe von zwanzig bis vierzig, ich nenne sie mal: Idioten, eines anderen Kitecamps herunter gekitet und benimmt sich wie … der Name Idioten schon sagt… Einmal habe ich mir das Spektakel angesehen und mag es kaum beschreiben. Zwanzig Leute sitzen auf dem Rand der Düne. Zehn weitere sind mutig genug, sich nacheinander von oben herunterfallen zu lassen (als Springen kann man das nicht bezeichnen). Nicht einer dieser zehn hat eine akzeptable Landung hinbekommen. Einer verliert das Board von oben, noch bevor er überhaupt abspringt. Zwei landen nicht im Wasser sondern noch im Sand der Düne. Alle anderen verlieren beim Flug die Kontrolle und verlieren das Board oder wässern den Kite, denn hinter der Düne ist Windschatten und es gibt Verwirbelungen, die alles Material nicht von der Düne weg, sondern in den Dünentrichter treiben. Das anzusehen, war schon sehr skurril. Da zudem auch noch die zwanzig Kiter, die auf dem Rand der Düne sitzen, beim Zusehen ihre Kites in die Mitte der Düne lenken, bleibt kaum Platz, um für den Absprung richtig auszuholen. Am besten war dann die Situation, als ich oben darauf warte, dass der Havarist verschwindet, der vor mir mit seinem Kite im Wasser die Landezone blockiert. Plötzlich schreit mich von hinten ein Typ mit weißem Helm, Gopro, Sonnenbrille und einem Kite, der in der Ovomaltine-Werbung vorkommt, auf einer mir unbekannten Sprache an. Ich nehme an, er wollte mich zum Springen auffordern. Diese Szene wiederholt sich exakt genauso ein zweites Mal, nur dass ich mittlerweile weiß, dass der Typ einer der Kandidaten ist, die nicht das Wasser, sondern den Sand treffen. Diesmal schreie ich zurück, dass er seine Fresse halten soll beachte ihn nicht weiter. Nachdem ich zu unserer Gruppe zurück gekreuzt bin, halte ich für mich fest: Sämtliche Kiter aus diesem Haufen da hinten sind Spacken. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Immerhin habe ich ein paar Videos vom Sprung bekommen und war ohne Düne und trotz weniger als 10 Meter Sprunghöhe an dem Tag auf Platz eins in ganz Afrika. 😉

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Unterdessen muss Josi feststellen, dass es nicht genügt, nur eine kleine Menge Sand auf den North Neo zu legen. Der starke Wind schafft es, den Kite in einer Böe anzuheben und über den Strand fliegen zu lassen. Josi realisiert sofort, dass es ihr Kite ist und läuft im Gegensatz zu anderen umherstehenden Kitern hinterher. Leider merkt sie dabei nicht, dass sie einen Fuß in eine Leine bekommen hat. Als der wegfliegende Kite die Leine stramm zieht, schneidet diese einen sauberen Schnitt um Josis gesamten linken Knöchel, bevor Josi sich befreien kann. So ein Mist! Der Schnitt brennt höllisch, nachdem das Adrenalin nachlässt. Wir malen uns aus, was noch alles hätte passieren können, die Achillessehne ist ja nicht weit weg, aber zum Glück war es „nur“ dieser Schnitt. Der Kite ist irgendwann von selbst auf dem Strand liegen geblieben.

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Immer wenn tagsüber Flut ist, kiten wir bei der Düne. Manchmal sind wir zu faul, extra dorthin zu fahren und kiten vor der Haustür. Ich mache große Lernerfolge auf dem Foil. Am ersten Tag schlucke ich beim Stürzen so viel Salzwasser, dass ich deswegen irgendwann aufhöre. Am nächsten habe ich Muskelkater im Hals vom Stürzen, aber dann geht die Lernkurve steil nach oben. Ich kann im Schwebezustand über die ganze Breite der Lagune fahren und bekomme schon eine halbe geschwebte Halse hin. Das macht Laune 😉 Momentan ist wenig Wind. Während die meisten Kiter mit 12-14qm unterwegs sind, schaffe ich es, mit 8qm und dem Foilboard zu fahren.

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Irgendwann zwischendurch habe ich Geburtstag, was aber außer Josi niemand weiß. Ich habe es schon ganz vergessen, als Beim Abendessen plötzlich das Licht aus geht, und mir eine von Josi organisierte Geburtstagstorte vom Küchenteam überreicht wird. Schoko versteht sich 😉 Sehr süß gemacht: Sie haben sogar versucht, KiteWorldWide zu schreiben….

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Wir machen noch einen Ausflug zur Atlantikseite, zu einem der Wavespots auf der anderen Seite. Eine schöne leere Bucht, leider mit dem üblichen Müllproblem. Der Sand ist so locker, dass wir uns trotz Untersetzung und Differentialsperre kurz festfahren und wieder die Luft aus den Reifen lassen müssen. Zum ersten Mal etwas schaufeln, aber dann geht’s problemlos weiter. Fotos haben wir diesmal nicht gemacht. Heute ist es windstill und dadurch ziemlich heiß. Trotzdem aber eine gute Gelegenheit, einen Blog zu schreiben. Wir haben schon die Hälfte unserer Zeit in Marokko und hier im Camp erreicht. Hier noch ein paar Bilder vom Kiten.

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Lang ist der Weg nach Dakhla

Bevor wir Tarfaya verlassen, treffen wir Günther mit seinem Mercedes G-Modell wieder. Wir haben ihn vor einer Woche in Zagora kennengelernt. Man sieht sich immer zweimal im Leben, war sein Kommentar dazu. Auf dem Campingplatz Villa Bens haben wir den Tipp bekommen, statt auf der N1 auf einer Nebenstrecke nach Süden zu fahren, die nach hundert Kilometern wieder auf die N1 trifft, aber am Meer entlang läuft. Wir ersparen uns dadurch ungefähr 8 Checkpoints der Polizei, die sich um die N1 um Laayoune entlangziehen. Zudem geht die Strecke vorbei an schönen Sanddünen, welche auch gern mal über die Straße wandern und vorbei an einem scheinbar berühmten Schiffswrack der Reederei Armas. Das Schiff ist ein Überbleibsel der einzigen ehemaligen Fährverbindung zwischen Marokko und den Kanarischen Inseln.

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Kurz vor Laayoune liegt noch ein Wrack und dann regnet es doch tatsächlich schon wieder! Was ist denn hier los? Aber der Schauer hört schnell wieder auf. Bis zu unserem Ziel (Dakhla) sind es noch 540 Kilometer. Unterwegs gibt es nicht mehr allzu viel Infrastruktur und auch wenig Stellplätze oder ähnliches. Daher übernachten wir direkt hinter Laayoune am Strand von Foum El Qued und teilen die restliche Strecke auf zwei Tage auf. Unser Parkplatz am Strand befindet sich neben einem Gouverneurspalast, der gut bewacht ist. So sind auch wir gut bewacht. Und wer kommt da um die Ecke? It´s Günther again ;-). Wir treffen ihn zum dritten Mal.

Am nächsten Morgen kommen wir früh los. Mittlerweile sind wir schon in der Westsahara, die zwar zu Marokko gehört, aber deren politischer Status immer noch nicht endgültig geklärt ist. Wir stellen uns darauf ein, viele Kontrollpunkte zu passieren, wo man unsere Personalien und andere Daten haben will. Als Vorbereitung darauf haben wir bereits in Deutschland ein paar Zettel vorbereitet, auf denen alle wichtigen Daten zu uns und dem Auto vermerkt sind. Diese Datenblätter sind hier allgemein als „Fiche“ bekannt. Die ersten mussten wir letzte Nacht beim Strandparkplatz in Foum El Qued abgeben. Wider Erwarten, sind es gar nicht so viele Kontrollstellen, nur zwei bis drei am Tag, und wir werden fast immer einfach so durchgewunken. Nur noch zweimal müssen wir die Fiche abgeben.

Hier in der Westsahara ist der Sprit subventioniert. Für umgerechnet 49 Cent je Liter machen wir den Tank wieder voll, aber warum ist der Diesel hier blau? Die Straße nach Süden verläuft immer nah an der Küste, aber es ist fast überall Steilküste. Erst kurz vor Boujdour haben wir die Möglichkeit, einen Abzweig hinunter zum Meer zu nehmen. Von dem Plateau aus haben wir einen wunderbaren Ausblick über einen weitläufigen Strand, an dem sich schöne Dünen gebildet haben. Auch hier liegen zwei kleine Schiffswracks in Ufernähe und leider jede Menge Plastikmüll.

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Es ist immer noch sehr frisch und bewölkt, sonst hätten die Wracks sicher eine coole Kulisse beim Kiten abgegeben. Außerdem wollen wir weiterfahren und noch einen Schlafplatz suchen, denn hier steht man vor den Dünen und kilometerweit für jeden sichtbar. Also entschließen wir uns, noch einmal 170 Kilometer zu fahren und bei der nächsten schönen Stellmöglichkeit zu übernachten: Beim Qued Kraa. Die Landschaft ist mittlerweile sehr eintönig. Links und rechts nur platte Ebene mit kleinen Steinen, und etwas Sand. Der Straßenzustand ist aber größtenteils viel besser als in vielen anderen Landesteilen. Wir fahren auf nagelneuem Teer, ein Teil davon noch in Bau, aber trotzdem entspannt zu fahren. Erst die letzten 200 Kilometer vor Dakhla wird es wieder anstrengend, weil die Straßenränder so weit abgebrochen sind, dass keine zwei LKW mehr nebeneinander auf den Teerbelag passen und man ständig ausweichen muss, ohne in ein tiefes Loch zu fahren.

Ein paar Kilometer vor dem Qued Kraa führt die Straße vom Hochplateau, auf dem wir seit heute Morgen unterwegs sind, etwas hinunter. Regen und Erosion haben Teile des Hochplateaus weggespült und überall kleine „Tafelberge“ stehen lassen. Die Straße führt nun kreuz und quer um diese Miniberge herum. Eine nette Abwechslung. Wir überholen einen Radwanderer und fragen uns, wie verrückt man sein muss, hier mit dem Fahrrad her zu fahren. Der letzte Ort ist ewig weit weg und der nächste ebenso. Unglaublich, aber Respekt! Wir biegen auf eine kleine Straße ab, um unseren Schlafplatz zu erreichen. Auch hier hat die Erosion eine einmalige Landschaft aus dem Fels-/Sandboden heraus gewaschen. Der Weg endet kurz vor dem Strand auf einem recht ebenen Sandplatz. Drei Wohnmobile stehen hier schon. Am Strand sind viele Fischer unterwegs, die Ihren Fang zum Verladeplatz bringen. Einer bietet uns, ohne aufdringlich zu sein, Fisch an, aber wir müssen aufgrund des starken Windes drinnen kochen und wollen nicht den Fischgeruch in der Bude haben. Der Wind scheint auch der Grund zu sein, warum sich niemand aus den drei anderen Wohnmobilen draußen blicken lässt. Uns stört das nicht weiter. Wir hissen die KiteWorldWide-Flagge und ich nutze den Wind für die nächste Kitesession in einer traumhaften Bucht mit schöner Brandung ganz für mich allein.

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Nach einer windigen Nacht brechen wir zum vorerst letzten Mal auf in Richtung Süden. Noch 134 Kilometer bis Dakhla. Der Sand wird immer heller, je näher wir unserem Ziel kommen. Hier noch ein paar Impressionen aus unserer „Perspektive“:

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Auf halber Strecke kommen wir an einer großen Fischersiedlung vorbei. Hierher kommen die Menschen aus allen Teilen des Landes nur zum Fischen und verschwinden dann irgendwann wieder. Man hat eine tolle Aussicht auf die Steilküste im Süden, aber auch eine Aussicht auf das Dorf, für die wir keine Worte finden. Seht selbst.

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Eine Kolonne Landrover vom Militär kommt uns entgegen, genauso wie ein Konvoi aus Polizei, mehreren schwarzen SUV besetzt mit Männern in feinen Anzügen und Headset im Ohr sowie zwei riesige amerikanische Ford-Pickup mit extrem langen und breiten Wohnmobil-Aufliegern. Wie wir später erfahren, war der Sohn des Königs in Dakhla, und der kitet!!! Vor einigen Tagen hatte uns schon ein Motorradfahrer erzählt, dass mitten im Nichts nahe der Weißen Düne überall Soldaten verteilt umher standen. Vielleicht war der Sohn des Königs ja dort kiten!?

Nach einem Kreisel eröffnet sich vor uns eine blendend weiße Fläche. Unglaublich schön ist die Aussicht! Ich glaube, wir sind da!

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Wir durchfahren die Fläche mit diesem herrlich weißem Sand zu beiden Seiten. Man kann kaum die Straße sehen, weil der Sand so heftig darüber weht. Noch über einen Hügel und tatsächlich: Wir blicken auf die türkisfarbene Lagune von Dakhla. Am liebsten möchte man hier anhalten und nur gucken. Für diesen Anblick haben sich auch die letzten 500 Kilometer Einöde gelohnt.

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Ein wenig erschreckend ist es aber auch: Plötzlich wimmelt es von Menschen. Auf den ersten Blick schätzen wir über 50 Kites am Himmel. Um die Lagune sind in den letzten Jahren viele neue Unterkünfte entstanden. Alles Kiter.

An der Unterkunft von KiteWorldWide, unserem neuen zu Hause für die nächsten zwei bis drei Wochen, fahren wir zunächst vorbei, da an der Straße kein Schild steht und aus unserem Blickwinkel auch die Mini Villen nicht zu sehen waren. Dafür passieren wir jedoch noch einen letzten Checkpoint und schauen uns noch den legendären Stellplatz Trouk bei KM 25 an. Der kostenlose Platz liegt etwas im Windschatten hinter einem Berg und soll ein beliebtes Winterziel vieler Surfer und Kiter sein. Ein schweizer Overlander in einem sandfarbenen Steyr steht dort zwischen zwanzig anderen Mobilen. Zurück zu unserer neuen Unterkunft. Wir finden dann doch schnell den richtigen „Adresse“. Alle anderen sind jedoch zum Kiten zur Duna Blanca gefahren, also nutzen auch wir die Zeit für eine Session direkt vor der Haustür. Mit 7 und 8 toben wir uns in der Lagune aus. Die vielen anderen Kiter sind alle zum Mittagessen verschwunden, so dass wir fast allein auf dem Wasser sind.

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Ab jetzt fängt der Urlaub im Urlaub an.

Bis ans Meer

Die Straße von Icht nach Guelmim lässt sich schnell und entspannt fahren. Nur die letzten 30 Kilometer sind ziemlich eng und uns kommen viele LKW entgegen. In Guelmim können wir in einem ganz neuen Marjane Supermarkt unsere Vorräte wieder aufstocken. Dann geht’s weiter Richtung Plage Blanche. Auch hier ist sehr wenig Verkehr. Nach einer knappen Stunde verlassen wir die Straße und biegen auf eine Piste ab, die uns nach 9 Kilometern zum Fort Bou Jerif führen soll. Für die 9 Km brauchen wir nochmal eine Stunde, denn es ist wieder sehr holprig und steinig. Bei einigen Steigungen auf der Schotterpiste zweifle ich daran, dass hier ein normales Wohnmobil den Weg zum Fort überhaupt hoch kommt. Aber wir werden eines Besseren belehrt. Am Fort steht ein teilintegriertes Womo. Auch dass diese Auberge (Camp Bou Jerif) so gut in Schuss ist und so modern aussieht, hätte hier in der Einsamkeit niemand vermutet.

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Wir halten jedoch nicht an, sondern fahren weiter. Hinter dem nächsten Hügel liegt das eigentliche Fort, die Ruinen des ehemaligen französischen Fort Noun, vor dem landschaftlich schön gelegenen Qued.

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Auch daran fahren wir vorbei, denn wir wollen den Plage Blanche über eine Offroad-Piste erreichen, die hier weiter geht. Bereits nach zwanzig Minuten wird die Piste aber wieder richtig schlecht. Es geht bergauf, der Weg ist stark geneigt und die untere Spur ist zusätzlich vom Regen extrem tief ausgewaschen. Zudem liegen größere Steine umher. Wenn sich der Aufbau bei der Huckelei jetzt aufschaukelt, kippt die Kiste um. Und das war erst der Anfang dieser Piste, die wir noch ein bis zwei Tage fahren müssten. Wir haben keine Lust mehr auf diese Gurkerei und drehen um. Direkt unterhalb der Fort-Ruinen finden wir am Flussbett einen super Stellplatz zwischen den Palmen. Das Auto ist so gut versteckt, dass uns die einzigen beiden Fahrzeuge, die während unseres Aufenthalts dort, noch den Fluss durchqueren, gar nicht bemerken. Am Fluss wimmelt es von Fröschen und kleinen Fischen, sogar eine Schildkröte sehen wir.

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Nach einer ruhigen Nacht fahren wir die 9 Km Piste wieder zurück und nehmen die Straße zum Plage Blanche. Endlich am Meer! Aber zu wenig Wind zum Kiten. Über Nacht sind auch noch Wolken aufgezogen und es ist ziemlich kühl. Wir sind scheinbar die einzigen Menschen am Strand, aber es sieht nicht sehr einladend aus. Man könnte meinen, wir sind in Dänemark :-p.

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Da für die nächsten zwei Tage Regen angesagt ist, beschließen wir, den Strand auf unserem Rückweg nochmal anzusteuern. Heute fahren wir weiter nach Süden. Kurz hinter Tan-Tan erreichen wir El Ouatia, eine kleine Stadt am Meer. Wir beschließen, eine Nacht zu bleiben, aber auch hier reicht der Wind nicht zum Kiten und das Revier ist nicht besonders reizvoll.

Am nächsten Tag wollen wir nur 30 Kilometer fahren, am Ende werden es über 130. Wir hatten uns eine schöne Flussmündung ausgesucht, mit hohen Sanddünen, Flamingos und einem kostenlosen Stellplatz direkt an der Mündung.

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Mittlerweile ist das Land jedoch privatisiert und der Wachmann dort hätte uns nur zu Fuß für eine Besichtigung durchgelassen. Also auf zum nächsten Qued. Auch das sieht auf den ersten Blick super aus. Drei Womos stehen dort schon. Wind könnte auch reichen. Sogar Kamele laufen frei herum. Der Haken: Wir stehen auf einem Felsplateau und es gibt keinen Weg runter zur Flussmündung, und deshalb auch keine Möglichkeit, zum Kiten ans Wasser zu kommen. Also wieder weiter, das Meer immer auf der rechten Seite, jedoch nirgends zugänglich, da es hier überall nur Steilküste gibt.

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Das nächste Ziel ist die Khnifiss-Lagune. Die Sanddünen, welche die Lagune umgeben, sehen wir schon aus zwanzig Kilometern Entfernung. Auch auf der Straße gibt es mittlerweile Sandverwehungen. Man parkt an der Lagune auf einem Plateau und hat einen Ausblick über die ganze Lagune. Es ist wunderschön hier. Und windig. Aber die Lagune gehört zu einem Nationalpark. Obwohl hier Fischer mit Motorbooten Touristen herumfahren und obwohl alles voller Plastikmüll liegt, dürfen wir weder übernachten noch Kiten gehen. Naturschutz muss man in Marokko nicht verstehen.

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Zum vierten Mal heute machen wir uns auf den Weg. Wir kommen an einem großen umzäunten Loch im Boden vorbei. Hier hat sich der Atlantik von unten eine Höhle gegraben, die nun von oben besichtigt werden kann. Josi tarnt sich als einer der Pfeiler auf dem Bild 😉

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Im nächsten Ort tanken wir zum ersten Mal subventionierten Sahara-Diesel für 49 Cent pro Liter. Es wird sandiger neben der Straße, Kamele laufen wieder frei herum. Kurz von Tarfaya läuft die Straße wieder direkt am Meer entlang, und wir nehmen den ersten schönen Platz, den wir finden.

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Wir haben Meerblick! Niemand ist am Strand, außer jeder Menge Platikmüll. Fuerteventura liegt nur 110 Kilometer westlich von uns. Am nächsten Tag schnappen wir uns die großen Kites und laufen runter zum Strand. Es reicht zwar nur für den 12er, aber immerhin haben wir zum ersten Mal seit sechs Wochen wieder einen Drachen in der Hand und Wasser unter dem Board.

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Allein in der Wüste – Erg Chegaga

Unser nächstes Ziel ist der Erg Chegaga. Von Zagora aus sind es noch 100 Kilometer bis Mhamid. Wir fahren durch ein, zwei schöne weitläufige Ebenen und müssen noch ein paar kleine Hügel überwinden. Auf den letzten 50 Kilometern wird die Straße so schmal, dass nur noch ein Fahrzeug darauf fahren kann. Zum Glück ist so wenig Verkehr, dass wir nur ganz selten ausweichen müssen.

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In Mhamid hört die Teerstraße auf. Wir wurden mehrfach und auch in Büchern gewarnt, dass uns dort besonders viele Schlepper und selbsternannte Führer abfangen würden, die uns zum Erg Chegaga führen wollen. Dementsprechend vorbereitet fahren wir in den Ort… und nichts passiert. Ausnahmsweise interessiert sich niemand für uns. Vielleicht lag es an der heißen Mittagszeit. Ungestört fahren wir eine sieben Kilometer lange Rundtour durch das alte Mhamid. Eine Telefonleitung hängt so tief, dass wir sie kurz berühren, aber sie hält stand. Unser heutiger Campingplatz ist quasi das letzte Grundstück im Ort, auf einem kleinen Hügel direkt hinter dem Ende der Teerstraße mit Blick auf eine weite Ebene im Westen. Dieser Ausblick entschädigt auch für das miserable Sanitärgebäude. Wir sind die einzigen Gäste und bekommen den Logenplatz.

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Waschbecken – das geht noch
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Toilette
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Dusche – kalt

Der Betreiber will uns seine Begleitung für unsere Wüstentour aufschwatzen und verlangt unglaubliche 350 Euro dafür! Im Ort wurde uns für schlappe 50 Euro eine komplette Jeeptour angeboten! Das bestätigt uns nur noch in unserer Entscheidung, den Weg allein zu finden. So machen wir uns am nächsten Morgen mal etwas früher auf die Socken und fahren auf eigene Faust los. Nach zwei Kilometern schlechter Piste beginnt schon der weiche Sand. Ich hatte vorher schon etwas Luft abgelassen, damit wir uns nicht festfahren. Man fährt um viele Büsche herum, kleine Hügel hoch und runter. Das Fahren macht richtig Spaß.

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Den Weg zu finden ist dank der anderen Spuren einfach. Wir navigieren offroad auch immer mit dem Ipad, auf dem ich vorher die entsprechenden Karten heruntergeladen habe und zusätzlich mit dem normalen Navi. Auf beide Geräte habe ich Tracks von anderen Offroadern geladen, aber das Ipad mit der App „GPS HD MotionX“ funktioniert wirklich am besten. Leider hört die sandige Strecke bald auf und wir schleichen wieder über eine steinige Ebene. Wir haben uns für den Weg über die Oase Sacrée entschieden, was sich später als extrem steinig, langsam und nicht mal lohnenswert heraus stellt, weil die Oase komplett mit einer braunen Lehmwand ummauert ist.Wir hätten besser direkt zu den Dünen fahren sollen, aber das weiß man ja vorher nicht.

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Ohne Wasser sollte man sich hier nicht zu lange aufhalten 

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Ziel in Sicht am Horizont: Erg Chegaga

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Als wir nach einer Pause den Wagen wieder starten wollen, passiert das gleiche, wie vor einer Woche am Erg Chebbi: Der Wagen springt wieder nicht an. Diesmal ist mir aber aufgefallen, woran es liegt: Um den Motor abzustellen, muss man mit der linken Ferse auf einen Knopf, die Motorbremse, treten. Jedenfalls zischt es immer kurz wenn man den Fuß wieder unter nimmt, was es dieses Mal beim Abstellen nicht gemacht hat. Der Knopf ist nicht wie sonst hoch gekommen. Das ist das Problem. Ich kann ihn aber mit den Fingern wieder heraus ziehen und der Wagen läuft wie immer. Das Problem konnte ich dann langfristig lösen, indem ich den Knopf einmal mit Druckluft freigepustet habe. Da war wohl Sand dazwischen. Den gibt’s hier jetzt wieder genug, denn wir sind endlich am Erg Chegaga angekommen und fahren mit nur noch zwei Bar Reifendruck nördlich um dieses 40 Kilometer lange Dünengebiet herum und hindurch. Durch richtig weichen Sand. Ich hätte nie gedacht, dass wir sogar Dünen bergauf fahren können, aber auch das geht problemlos. Auch hier gibt es einige Biouvacs, in denen man übernachten kann. Wir lassen alle links liegen und passieren noch eine große Herde Kamele. Dann suchen wir uns einen Schlafplatz in den Dünen und finden eine gute Stelle, die wir leicht erreichen können. Endlich ganz allein in der Wüste! Seit kurz nach 16 Uhr ist kein Auto mehr zu hören gewesen. Es ist unglaublich leise, vom Sternenhimmel inklusive Sternschnuppe ganz zu schweigen. Ein wenig gruselig war es aber auch. Wir fanden diesen Tag und unseren Platz so beeindruckend, dass wir Unmengen von Bildern geknipst haben. Hier eine Auswahl der schönsten:

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Im Dunkeln spielen wir noch etwas mit der Taschenlampe und der Langzeitbelichtung des Fotoapparates 😉

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Am nächsten Morgen genießen wir noch die letzten tiefsandigen Pisten, dann kommen wir zu dem Lac Iriki, einem ausgetrockneten See. An einigen Stellen ist der Boden so glatt, dass wir 50 fahren können. Sogar hier gibt es ein paar Cafés. Man kann kaum ungestört wieder Luft aufpumpen, ohne dass jemand vorbei kommt. Hier übernimmt Josi auch mal das Steuer fühlt sich ziemlich wohl dabei 😉

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Die letzten 35 Kilometer sind noch einmal eine Tortur. Es gibt Wellblech oder grobe Steine, aber die Landschaft erinnert an Namibia oder Monument Valley in den USA. Als ich für ein Foto auf einen Hügel laufe, der wie ein Teil einer Hochebene aussieht, finde ich zufällig jede Menge versteinerte Fossilien, Muscheln im Stein.

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Wir brauchen gut drei Stunden für die restliche Strecke und erreichen spät am Nachmittag Foum Z’guid, wo wir auf einem neuen Campingplatz mit frisch gepflanzten Palmen landen. Sogar ein paar Bier können wir organisieren. Nur das Fleisch lassen wir lieber beim Metzger in der Sonne liegen. Wenn der mit seinem Beil zuhaut, fliegen schon mal die (Fleisch-)fetzen durch den Laden…

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Noch zu haben – ein ganzer Kuhkopf und zwei Füße

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Weiter geht es nach Westen. Jetzt wieder auf Asphalt. Es ist sehr wenig Verkehr und wir landen in Icht, wo wir den Fahrtag auf einem französischen Platz mit gutem Essen und Wein abschließen, nachdem es sogar drei Tropfen geregnet hat.

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Weil aber durch unsere Adern nun mal Salzwasser fließt, wollen wir schnell an den Atlantik und morgen über Guelmim zum Fort Bou Jerif.

Berge und Schluchten

Nach dem Erg Chebbi können wir die beiden Schluchten, Todra und Dades, in Angriff nehmen, weil sich das Wetter im Norden gebessert hat. Also Abschied nehmen von Ahmed und seiner süßen Tochter und wieder auf die Piste gen Norden. Diesmal klappt es auch mit einem Bild in Rissani.

Auf dem Weg zur Todraschlucht wollten wir eigentlich noch einen Abstecher zur Himmelstreppe (ein pyramidenförmiges Kunstwerk mitten in der Wüste) machen, doch ein tief hängender Ast und etwa 20 bettelnde Kinder machen uns einen Strich durch die Rechnung. Zum Glück gehen sie bei uns immer noch in letzter Sekunde aus dem Weg, aber kurze Zeit später kommt eine Gruppe spanischer Geländewagen, bei denen dann auch mal auf die Motorhaube gehauen wird. Wir beobachten noch, wie einem der Spanier der Geduldsfaden reißt, er die Tür aufreißt und auf die Kinder losgeht, dann machen wir uns schnell aus dem Staub.

Kurz vor der Todraschlucht passieren wir noch den Ort Tinerhir, den man teilweise fast nicht erkennen kann, weil die Farbe der Häuser genau so aussieht wie der Berg dahinter.

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Je näher wir der Schlucht kommen, desto touristischer wird es dann auch-eine Auberge reiht sich an die nächste und die Menschen (vorrangig Spanier während der Semana Santa) werden busseweise direkt in die Schlucht gefahren. Der Fluss hat sich hier mit solcher Kraft durch den Fels gegraben, dass die Wände links und rechts mehrere hundert Meter aufragen und man aus dem Autofenster gar nicht alles sehen kann.

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Wir beschließen, den schönen und weniger frequentierten Parkplatz am Ende der Schlucht zu nehmen, um ein paar Fotos zu schießen.

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Anschließend fahren wir auf der gut zu fahrenden Piste die Berge hinauf bis nach Tamtattouchte, dem nächsten Dorf. Unterwegs kann man noch sehr gut die Zerstörungen des letzten Winters erkennen: Immer wieder sind Teile der Route gesperrt, weil der Fluss sie einfach weggespült hat und wir müssen durch kleine Bachläufe fahren.

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Eigentlich wollen wir in Tamtattouchte übernachten, aber auch hier machen uns aufdringliche Kinder den Plan zunichte…als wir ihnen nichts geben, bekommen wir sogar einen Schneeball ans Auto (Ja, in den Bergen liegt auch hier noch Schnee). Außerdem ist es plötzlich wieder ziemlich kalt und das sind wir nach unserem Aufenthalt in der Wüste gar nicht mehr gewohnt. Wegen des vorangegangenen schlechten Wetters entscheiden wir uns auch gegen die offroad Querung von Tamtattouchte zur Dadesschlucht – wenn der Fluss schon die Straße weggespült hat, wie mag es dann wohl auf einer unbefestigten Bergpiste aussehen??

Zurück in Tinerhir übernachten wir auf einem schönen Palmenplatz, der direkten, aber abenteuerlichen Zugang zu einer grünen Oase hat, in der auch eine verlassene Burg, eine Kasbah, steht. Die müssen wir uns natürlich angucken!!

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Am nächsten Tag fahren wir zur Dadesschlucht. Hier gibt es „nur“ ein paar enge Serpentinen, teilweise auch mit Baustelle, zu bewältigen. Die Aussicht vom Café auf dem Gipfel ist spektakulär.

Als wir zum Auto zurück gehen, bemerken wir ein paar Leute, die um den LKW herum kriechen. Es sind Holländer, die ebenfalls mit Allradfahrzeugen unterwegs sind und neugierig waren. Wir fahren noch weiter, zur eigentlichen Schlucht. Eine Engstelle mit Felsüberhang, unter dem wir aber locker hindurch passen. Sieht trotzdem cool aus.

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Als wir umdrehen, werden wir auf das Kennzeichen NI angesprochen. Ein Pärchen erzählt uns, dass sie ebenfalls aus dem Landkreis Nienburg kommen. So klein ist die Welt.

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Der nächste Tag soll uns von Boumalne über eine steinige Piste des Gebirges Djebel Sarhro und den Bergpass Tizi n `Tazazert nach Nekob bringen. Es sind nur knapp 90 Kilometer, aber der Pass entpuppt sich als die nächste große Herausforderung. Die Piste ist so steinig, eher felsig, so dass wir nur im Schritttempo voran kommen. Dafür gibt es wiedermal eine überwältigende Aussicht über die Berge.

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Auf dem Gipfel trauen wir unseren Augen nicht, als ein kleines, süßes Café vor uns auftaucht. Man kann hier oben auf einer kleinen Fläche sogar kampieren. Unglaublich.

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Finde die Aufkleber! Auch Stranddeko und KiteWorldWide (I Kite Worldwide) kleben nun an der Tür 😉

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Wir trinken unseren täglichen Tee, hinterlassen zwei Aufkleber an der Tür und machen uns an den Abstieg, auch im Schritttempo. Der Weg wird noch schlechter als beim Aufstieg. Überall gucken Felsplatten hervor. In einer Serpentine müssen wir zurücksetzen, um wenden zu können. Wir sind mittlerweile sehr genervt und hoffen nach jeder Kurve darauf, dass die Strasse besser wird. Stattdessen erscheinen aus dem Nichts mal wieder: Kinder! Da wir nicht schneller fahren können, laufen sie ziemlich lange neben und hinter uns her und wollen Stifte, Bonbons und Geld haben. Irgendwann geben sie auf. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir ein grünes Tal, aber auch hier ist keine Entspannung in Sicht. Jetzt kommen auch noch eng stehende Bäume und Palmen hinzu. Leider gibt es nur den einen Weg. Wir haben die Wahl zwischen umdrehen (das würde uns zwei Tage kosten) oder Augen zu und durch. Jetzt zieren Unmengen von Kratzern (Sorry Olaf) beide Seiten des Autos. Zumindest haben die Astabweiser die Kanten des Aufbaus geschützt und die Solaranlage hat auch nichts abbekommen (Danke Frank) ;-). Einen kleinen Berg müssen wir noch überwinden. Oben angekommen geht die Sonne unter, aber die Piste ist mittlerweile so „gut“, dass wir mit Tempo 20 fahren können und nach einer weiteren Stunde endlich in Nekob ankommen. Insgesamt haben uns die 90 Kilometer zehn Stunden gekostet, wir haben unterwegs nur eine Handvoll Menschen getroffen, dafür aber auch ein paar Geckos und Erdhörnchen.

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Abgesehen von den Kratzern hat uns unser Explorer erneut begeistert. Eigentlich hätte er dafür noch das Bergziegen-Abzeichen bekommen müssen.

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Nach der anstrengenden Bergpiste fahren wir am nächsten Morgen nur bis Zagora und das auf Asphalt. Wie entspannend. Am Ortseingang schütteln wir zwei Mopedfahrer ab und biegen direkt auf den von uns auserkorenen Platz ab. Heute ist Ruhe-/Wasch-/Klöntag, denn es sind noch viele andere Offroader hier. Da gibt es viel zu quatschen, Routen und andere Informationen auszutauschen. Lustigerweise fährt noch ein MAN auf den Platz, der uns bekannt vorkommt. Genau diesen Wagen haben wir letztes Jahr auf einem Treffen von innen besichtigen können und sehen ihn nun hier wieder. Am Nachmittag kommt plötzlich noch eine Frau vorbei, die sich uns als Edith Kohlbach, die Autorin unseres Reiseführers und Marokkoexpertin vorstellt. Hier erlebt man was…

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Am nächsten Morgen ist Ostern  und die Hasen kommen auch bis zu uns 😉

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Sandsturm am Erg Chebbi

In Tissirt hätten wir auch noch länger bleiben können. Alle hier sind so freundlich und man kann richtig gut entspannen. Aber wir wollen weiter, denn Josi geht es mittlerweile wieder besser. Allerdings haben wir unsere geplante Route etwas geändert, denn in Mittel- und Nordmarokko soll es in den nächsten Tagen regnen. Klingt komisch, ist aber so, da wir die Auswirkungen später noch im Süden merken. Wir ziehen daher die Wüstenregion des Erg Chebbi vor und fahren etwas später wieder in die Berge. Das Tal mit der Oase begleitet uns noch ein Stückchen, aber dann wird es trockener und wir passieren eine große Ebene. In Erfoud trauen wir uns, mitten im Gewimmel der kleinen Stadt zu parken und ein paar Querstraßen weiter unseren ersten Souk (Markt) zu besuchen. Auf einer Fläche eines halben Fußballfeldes gibt es viele kleine Händler, die alles mögliche verkaufen. Von Plastikstühlen bis zur halben Kuh. Die Mitte des Souks besteht aus engen überdachten Gassen und es stinkt bestialisch. Man möchte hier auch nicht barfuß durch laufen. Es wird alles Essbare verkauft: Frisches Gemüse, Brot, Gewürze… Es werden gerupfte Hühner und gehäutete Ziegen angeboten, bei denen der Kopf noch ganz und mit Fell ist (sonst hätten wir das Tier wahrscheinlich auch nicht erkannt. Wir werden zweimal von einer bettelnden Frau angesprochen, aber sonst war niemand aufdringlich. Nachdem wir uns für zwei Euro mit Brot und frischem Gemüse eingedeckt haben, trinken wir noch einen Tee in dem kleinem Cafe, vor dem wir den LKW geparkt haben. Auch dort erscheint kurz eine Bettlerin und der Inhaber möchte ein kleines Geschenk für seinen Sohn. Er bekommt ein kleines Knautsch-Wohnmobil von Hymer 😉

Unser Weg führt uns durch Rissani, das Tor zur Wüste. Das ist ein Torbogen zu Beginn der Stadt, aber weil so viel los ist und wir dort nicht gut parken können, fahren wir ohne Fotostopp weiter. Die Straße in der Stadt ist wiedermal so schlecht, dass wir uns nur mit 20 voran wagen. Auch die Landstraße dahinter lässt nur 50 zu. Mit einem PKW oder normalen Wohnmobil hätte man sicherlich schneller fahren können, aber da wir direkt über den Vorderrädern sitzen und die Federung wenig auf Komfort ausgelegt ist, müssen wir immer etwas langsamer fahren als alle anderen. Unser Tagesziel ist der Erg Chebbi, ein 40 km langes und 6,5 km breites Dünengebiet. Erg bedeutet Wüste und dementsprechend trocken ist hier alles. Unser Navi soll uns zu einer der ersten Auberges dort führen. Wir verlassen die Teerstraße und fahren auf wellblechartiger Schotterpiste weiter. Ich lasse ca. 1 Bar Luft aus den Reifen, damit es angenehmer wird, als Josi mich warnt: Da vorn kommt ein Moped. Und klar hält der an und möchte sich mit uns unterhalten, naja eigentlich möchte er uns den Campingplatz seines Bruders empfehlen und gibt uns die entsprechende Visitenkarte. Wir danken ihm und folgen aber der Route des Navis. Nach fünf Minuten überholt uns ein Jeep neben der Piste (hier führen immer viele Pisten in die gleiche Richtung) und der Fahrer gibt uns ein Zeichen, dass wir anhalten sollen. Auch er hat eine Visitenkarte eines Campingplatzes dabei und bietet auch Touren an. Vielen Dank, wir kommen morgen gucken… oder auch nicht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit im zweiten Gang über verschiedene Pisten sind wir endlich da. Wir sind die einzigen… und merken auch bald warum… Die Location ist einzigartig. Eine schöne Auberge (Herberge) mit Innenhof und Pool. Hinter dem Haus dürfen wir parken, es gibt keine Begrenzung zu den Dünen. Dromedare stehen zehn Meter vor unserem Auto. Fünf Euro kostet die Nacht. Die einzigen sind wir wahrscheinlich, weil der Betreiber des Anwesens eher wirkt, als hätte er keine Lust auf Gäste. Er empfängt uns scheinbar völlig zugedröhnt, kann kaum die Augen öffnen, geschweige denn sich artikulieren. Wir bleiben, fühlen uns aber nicht besonders wohl hier. Hinzu kommt noch, dass unser Beach Explorer uns einen Schrecken einjagt und beim Umparken nicht mehr anspringt. Mit viel Gas geben bekomme ich den Wagen an, muss aber das Pedal ganz durchtreten, um überhaupt mit einer Motordrehzahl von 1000 Umdrehungen fahren zu können. Nach ein paar Metern, als ob plötzlich ein Ventil auf gegangen wäre, kommt wieder die volle Leistung und da ich ja noch Vollgas gebe, macht das Auto einen Satz nach vorn. Seitdem ist alles wieder gut. Ein mulmiges Gefühl war es trotzdem.

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Nach Sonnenuntergang bekomme ich noch ein paar super Nachtaufnahmen mit langer Belichtung unter sternenklarem Himmel hin.

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Am nächsten Morgen werden wir von einem kleinen Sandsturm geweckt. Das Auto wackelt und als wir die Fenster öffnen, liegt ein sandiger Schleier in der Luft, so ähnlich wie Nebel, nur aus Sand. Ich bin froh, dass wir nicht irgendwo im Niemandsland stehen und uns bei der Sicht zurechtfinden müssen. Der Sturm hört aber schnell wieder auf, das Auto läuft wieder problemlos und wir fahren ohne Frühstück eine halbe Stunde weiter ins nächste Dorf Hassi Labiad. Wir wollen zu dem Platz Ocean des Dunes, der uns in Tissirt empfohlen wurde: Klein aber äußerst freundlich. Wir meistern die schmale Einfahrt ohne die Spiegel einklappen zu müssen. Es ist zwar sehr eng, aber das haben wir ja schon in Hamburg geübt, als wir das Logo von KiteWorldWide haben kleben lassen.

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Wir werden erneut herzlich mit Tee begrüßt und es gefällt uns sofort sehr gut. Es ist nochmals wärmer geworden und in der Sonne kaum auszuhalten. Trotzdem wagen wir nachmittags eine Tour in die Dünen, nicht auf vier Rädern, sondern auf acht Dromedarfüßen. Wir bekommen noch einen Turban gegen die Sonne gewickelt und los geht’s. Unglaublich, aber die Kopfbedeckung isoliert total gut! Außerdem kann man gar keinen Unterschied mehr zwischen mir und einem echten Tuareg erkennen 😉 Das letzte Stück einer steilen Düne müssen wir allein bewältigen. Hier warten wir auf den Sonnenuntergang und ich schieße hundert Fotos. Es ist unglaublich still (sofern niemand mit einem Quad vorbeifährt) und sehr beeindruckend. Allerdings auch beeindruckend, wie viele Spuren im Sand zu sehen sind und wie viele Touristen ebenfalls wie wir unterwegs in den Dünen sind.

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Als wir zurück kommen, trinken wir mit dem Mitarbeiter hier noch einen Tee. Es sind immer noch 22 Grad draußen, obwohl es schon nach acht Uhr und dunkel ist.

Montag fahren wir weiter nach Süden. Wir wollen sozusagen ans Ende Marokkos fahren, nach Taouz. In Merzuoga kreuzt ein alter Magirus unseren Weg und fährt vor uns her: Ein deutsches Pärchen mit ihrem kleinen Sohn und Hund. Die vier haben das gleiche Ziel wie wir und so beschließen wir, ein paar Kilometer zusammen zu fahren. In Taouz endet die Straße mitten im Dorf. Hier ist ein Militärposten und es geht nicht weiter. Man gibt uns den Tipp, vor dem Dorf rechts abzubiegen und den Posten einfach zu umfahren. Hier führt auch eine deutliche Piste entlang, weil das scheinbar alle hier so handhaben. Wir wollen uns nur das erste Stück dieser Piste ansehen, die Richtung Westen zum Erg Chegaga führt. Die fahrt würde ca. drei Tage offroad dauern und immer etwas nördlich der algerischen Grenze entlang führen. Das ist uns jedoch für unsere erste Offroaderfahrung zu heftig. Wir drehen um und finden in Merzouga tatsächlich jemanden, der uns etwas Bier und Wein verkauft…. in einer Hotelbaustelle in einem kleinen dunklen Raum, in dem ein paar Säcke Zement lagern…. daneben die Getränke in einem Kühlschrank. Eine Dose Bier kostet ca. 2,50 Euro, die Flasche Wein wieder 14 Euro. Wir fahren weiter in ein kleines Wüstengebiet names Erg Sneggi. Hier wohnt fast niemand mehr und wir wollen endlich eine Nacht in der Wüste stehen. Es stürmt jedoch so heftig, dass überall Sand durch die Luft fliegt und man sich kaum draußen aufhalten kann. Am Strand wäre es ein perfekter Tag für den 7er gewesen, aber hier? Nagut, dann fahren wir wieder zurück, auf „unseren“ netten Campingplatz. Auf halber Strecke verdunkelt sich der Himmel. Eine Front kommt auf uns zu. Wir können das zunächst nicht richtig einschätzen und denken, es sei Regen. Dann erinnere ich mich an das Bild eines Sandsturms, welches ich neulich im Internet gesehen habe und wir realisieren, dass es genau das ist und halten an. Die anderen beiden Overlander stehen schon ein paar hundert Meter hinter uns. Man kann kaum mit Worten beschreiben, wie diese Front aussieht. Bestimmt 200 bis 300 Meter hoch, als ob sich etwas über das Land ergießt. Sie kommt schnell näher, der Wind nimmt schnell noch mehr zu. Das sind wohl die Auswirkungen des schlechten Wetters im Norden, denn in Midelt, wo wir vor kurzem noch durchgefahren sind, soll es sogar geschneit haben. Josi fällt gerade noch auf, dass wir sehr schräg parken und wer weiß, ob die seitlichen Böen, den Wagen kippen könnten? Ich kann gerade noch den Bug des Autos in den Wind drehen, als uns der Sturm trifft. Schlagartig wird es dunkelorange, die Farbe des Sandes, und Sturmböen verpassen uns eine Sandstrahlung von vorn. Ich mache den Wagen aus, damit kein Sand durch die Lüftung kommt, oder vom Motor angesaugt wird. Es heult und wackelt, alles ist orange draußen. Es riecht nach Sand. Nach ein paar Minuten dreht der Wind, was zur Folge hat, dass jetzt Sand durch die etwas undichte Beifahrertürdichtung kommt und sich im ganzen Auto, vor allem aber über Josis Kopfstütze und auf Josi verteilt. Vereinzelt kommen Autos mit Warnblinker vorbei, irgendwann auch das andere Pärchen. Wir folgen ganz langsam und mit Warnblinker. Wer weiß, wie lange das hier noch dauert, da fahren wir lieber zum Ocean des Dunes. Man sieht nichts. Wir finden gerade so den Weg durchs Dorf und sind zum zweiten Mal an diesem Tag froh, nicht komplett allein in der Wildnis zu sein. Dort angekommen stellen wir nur das Auto ab und warten drinnen noch ein paar Stunden bei einem Tee, bis es draußen wieder ganz ruhig ist. Als wäre nichts gewesen, kann man den Sternenhimmel sehen. Der Aufbau hinten hat dicht gehalten, nur im Fahrerhaus ist alles voller Sand.

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Hier noch mal ein Größenvergleich: Das kleine Auto unten rechts sind wir:

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Am nächsten morgen machen wir alles mit dem Druckluftschlauch sauber. Durch die Lüftung kommt noch minutenlang Sand. Auch im Luftfilter hat sich ca. eine Tasse Sand angesammelt. Auch den pusten wir einmal frei. Startklar für die nächste Runde: Wir wollen den Erg Chebbi umrunden. 50 km Piste und Sand und auf der Straße wieder zurück. Der Beginn der Strecke ist echt schön. Wir reduzieren den Reifendruck auf 2,9 Bar und können problemlos im dritten Gang mit Untersetzung durch den Sand fahren. Die Route haben wir vorher aufs Navi geladen. Trotzdem müssen wir dann irgendwann den richtigen Weg und die richtigen Spuren suchen. Der erste Teil der Strecke macht richtig Spaß, die Landschaft ist abwechslungsreich. Es wird jedoch immer schwieriger, die richtige Route zu finden. Auf dem Navi sind Pisten verzeichnet, die wir aber nicht mehr finden. Zudem ist es wieder windig geworden und Sand weht umher, was die Orientierung nicht gerade vereinfacht. Spuren anderer Fahrzeuge sind größtenteils zugeweht. Wir queren ein Sandbett mit richtig tiefen Sand. Bloß nicht stehen bleiben. Die Drehzahl geht langsam runter, aber wir schaffen es gerade so, ohne zu schalten. Schalten im tiefen Sand kann man vergessen. Der Wagen steht sofort. Wir sind in einer Senke und müssten diese irgendwie nach links verlassen. Geradeaus ist nur tiefer Sand, rechts und links eine hohe, steile Kante. Zum Glück fahren die beiden anderen vor und schaffen es über die sandige Kante. Ich versuche es im zweiten Gang (mit Untersetzung und gesperrtem Mitteldifferenzial), aber wir fahren uns nach zwei Drittel der Steigung im tiefen Sand fest. Na gut, einmal gerade zurück und mit Vollgas im dritten Gang klappt es. Ganz schön aufregend alles. Auf fester Piste geht es weiter. Am nördlichen Wendepunkt unserer Route kommen wir noch einmal in eine ähnliche Situation. Diesmal nehme ich gleich den dritten Gang. Am Ende der Steigung geht die Drehzahl wieder in den Keller, aber dann haben wir festen Grund unter den Rädern und schaffen die tiefsandige Steigung gerade so. Noch ein paar Dünen umfahren, noch eine halbe Stunde eine steinige Ebene und wir haben es geschafft. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir die Teerstraße. Ein gutes Gefühl, die Tour geschafft zu haben und zu wissen, was das Auto alles kann und was man sich zutrauen kann. Das Auto könnte noch viel mehr, aber wir fahren ja noch eine Wohnung hinten drauf spazieren, und die soll ja heile bleiben. Für die 94 km haben wir ungefähr 8 Stunden gebraucht. Es ist diesmal auch nur ein Wäscheschrank bei dem Geschaukel aufgegangen 😉

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In den paar Tagen haben wir auf jeden Fall schon Erfahrungen und Eindrücke gesammelt, die wir so schnell bestimmt nicht vergessen werden. Unser Auto bekommt dafür ein Kamel-Abzeichen und wir gönnen uns den 14 Euro – Wein. 😉

Vom Rifgebirge über den Atlas

Von Chefchaouen sind es nur etwas über 230 km bis Fes. Die Fahrt führt uns Montag zunächst wieder durch das südliche Rifgebirge, das heißt über viele Kurven an den Berghängen.

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Der Zustand der Straße ist etwas besser, aber das ändert sich im weiteren Verlauf wieder. Meistens fahren wir 40 bis 70, je nach Steigung und Kurven. Wir sehen heute viele Esel, die entweder irgendwelche Lasten oder ihren Besitzer tragen. Darf man beim Esel reiten eigentlich telefonieren? Sieht ungewohnt aus, aber fast alle haben ihr Handy am Ohr. Auch viele alte Mercedes Busse sind unterwegs und wir müssen sehr oft an unseren Freund Friedl denken, der vor einiger Zeit selbst mit so einem Auto hier war. Die Ladung einiger Fahrzeuge ist doppelt so hoch wie das Auto selbst. Es gibt sogar Busse, die auf dem Dach eine Art Zaun rundherum haben und dort Schafe, Esel, Ziegen oder Kühe transportieren. Manchmal sitzen auch Menschen oben drauf oder hängen hinten dran. Je weiter man nach Süden kommt, desto seltener werden große LKW.

Auf dem Weg nach Fes passieren wir über zehn Polizeikontrollen. Immer werden wir durchgewunken. An fast allen Kontrollpunkten liegen Nagelbretter neben der Straße, die mit einem Drahtseil schnell auf die Straße gezogen werden können, falls jemand versuchen würde, einfach durchzufahren. Auf uns wirken die Polizisten immer sehr freundlich, aber wir sind ja auch die lieben Touris. In den Ortschaften darf man meistens 60 fahren, aber da überall Leute auf der Straße sind oder in zweiter Reihe Autos parken, muss man schon mit 30 aufpassen, niemanden zu überfahren. Zum Glück macht der LKW Eindruck und meistens die Straße frei. Gleich am Ortseingang von Fes, wir rollen gerade auf eine Tankstelle mit Waschanlage, bemerkt Marco einen Mopedfahrer, der uns verfolgt und wir ahnen schon, was er von uns will. Wir haben gehofft, die Waschanlage könnte uns retten, denn wir können direkt auf einen freien Platz fahren. Aber der Kollege ist nicht so leicht abzuschütteln. Er kommt einfach zu Fuß in die Halle gelaufen und fragt, was wir in Fes wollen, ob wir einen Camping brauchen, ob wir die Stadt sehen wollen. Wir verneinen und sagen, dass wir nur einkaufen und nicht bleiben wollen. Das war zwar gelogen, aber den Typen sind wir los. Freundlich war er trotzdem. Das Auto wird nun erst Mal von zwei engagierten Mitarbeitern per Hand vom letzten Salz der Alpen befreit und nebenbei kann ich gleich unser Abwasser loswerden.

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Weiter geht’s zum Großeinkauf in eine französische Supermarktkette. Sogar Nutella gibt’s hier 😉 und eine Simkarte der Telekom Maroc. Aber Wein bekommen wir nicht. Auf dem Parkplatz werden wir gleich wieder von einem Typen angequatscht, der was von uns will. Und als wir eingeräumt haben und los wollen, steht schon der nächste am Fenster und bettelt. Auch den ignorieren wir. Noch fünf Kilometer durch die Stadt, die Straße ist Baustelle und die Autofahrer auch, dann sind wir beim Diamant Vert angekommen, einem ruhigen Campingplatz südlich von Fes. Hier stehen noch zwei Wohnmobile, ein anderer großer Mercedes Offroader und ein Jeep mit Dachzelt, alle aus Deutschland. Zu dem Jeep gehört ein junges Pärchen, das heute erst in Marokko angekommen ist. Die beiden haben es richtig eilig, da sie nur zwei Wochen Zeit haben. Die Strecke, für die wir drei Tage benötigt haben, haben die zwei an einem Tag geschafft. Respekt, aber wir möchten nicht tauschen. Als es schon dunkel ist, klopft plötzlich jemand an die Tür. Ein Führer vom Campingplatz, der uns morgen gern die Stadt zeigen will. Da wir beide noch nicht so entspannt sind, was die vielen (für unsere Verhältnisse) aufdringlichen Menschen angeht, aber auch, weil Josi gerade nicht so gut zu Fuß unterwegs ist, lehnen wir sein Angebot ab. Eigentlich wollten wir uns Fes schon ansehen und vielleicht auch mit einem Führer. An diesem Punkt der Reise entscheiden wir uns aber dagegen.

Am nächsten Tag geht es weiter über Sefrou und Boulmane nach Midelt. Vorher tanken wir zum ersten Mal seit Deutschland für umgerechnet 70 Cent und machen auch die beiden Ersatzkanister voll. Bis Boulmane kann man gut 70 fahren, die Straße ist nagelneu, aber dann wird es richtig schlimm. Die Oberfläche ist so wellig, dass man meinen könnte, wir fahren mit einem Schiff über raue See. Der Belag ist an beiden Seiten so abgebrochen, dass nur noch ein Fahrzeug auf die Straße passt. Zum Glück ist hier kaum noch Verkehr. Trotzdem kommen wir nur mit 40 voran. Die Vegetation hat sich in kurzer Zeit extrem verändert. Eine Stunde vor Midelt blicken wir auf eine steppenartige Ebene, zur Rechten eine Bergkette, am Horizont der Hohe Atlas mit schneebedeckten Gipfeln. Sehr beeindruckend. Wir begegnen auch fast niemandem mehr. So haben wir uns das ungefähr vorgestellt in Afrika. Zu den Seiten gehen immer wieder Pisten ab, deren Ende man nicht sehen kann. Wohin die wohl führen?

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Bei Midelt kommen uns noch zwei Wohnmobile entgegen. Im Ort biegen wir ab zur Auberge de Jaffar, wo wir die Nacht verbringen. Unterwegs immer wieder Kinder im Dorf, die uns anhalten wollen. Mal in Gruppen, mal einzeln. Einmal werden wir sogar beschimpft, weil wir einfach weitergefahren sind. In der Auberge sind wieder alle freundlich. Wir sind die einzigen Gäste und das Anwesen hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Alles ist irgendwie runtergekommen, aber für uns reicht es. Hier bekommen wir auch eine Flasche Wein für umgerechnet 14 Euro. Den müssen wir uns gut einteilen. Damit es am nächsten Tag etwas komfortabler voran geht und nicht erneut die halbe Wäsche aus dem einen Deckenschrank herausfällt, lässt Marco noch etwas Luft aus den Reifen. Bisher waren wir mit ca. 5 Bar unterwegs, aber mit etwas über 4 Bar ist es schon angenehmer. Wir schaffen hier am Tag nur so ca. 200 km.

Josi hat seit kurzem Schmerzen in einem Bein, die mittlerweile so stark sind, dass wir einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen wollen. Das neue Krankenhaus in Midelt ist noch nicht fertig aber es gibt es altes. Hier ist eh schon ein kleines Verkehrschaos, da macht es nichts, wenn wir auch noch direkt vor der Tür halten. Als Josi aussteigt, greife ich mir gleich einen Arzt, der zufällig am Auto vorbei läuft, was die Sache wesentlich erleichtert. Er besorgt einen Rollstuhl während ich den LKW woanders parke und manövriert uns dann durch sämtliche Menschen hindurch, vorbei an anderen wartenden Patienten direkt ins Arztzimmer. Der einzige englisch sprechende Arzt wird geholt. Wir sollen zum Röntgen, aber das Gerät hier ist kaputt und das Gerät eines anderen Arztes in der Stadt sei nicht gut genug. Wir sollen ins Krankenhaus nach Er Rachidia fahren, was sowieso auf unserem Weg liegt. Josi bekommt noch eine richtig gute Spritze und wir müssen für die Behandlung noch nicht mal etwas zahlen. Nur die Medikamente aus der Farmacia kosten etwas. Wieder waren alle sehr nett und hilfsbereit.

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Der weitere Weg nach Süden führt uns durch das Ziztal. Ein von Palmen und anderen grünen Pflanzen gesäumtes Flussbett schlängelt sich durch die Berge. Wir bekommen eine Vorstellung davon, wie Oasen aussehen. Bevor wir irgendwo zum Fotografieren anhalten, checken wir jetzt immer, ob sich irgendwo Menschen versteckt halten, die nur auf Touristen wie uns warten, um uns etwas zu verkaufen oder etwas zu erbetteln. Als das Flussbett zum einem aufgestauten See wird, können wir eine kleine Pause einlegen. Die Aussicht ist mal wieder beeindruckend. Ich hatte gehofft, dass wir hier vielleicht kiten gehen können, und zwar als erste Kiter überhaupt, aber es ist windstill und wir haben ja noch einen Arztbesuch vor uns. Zum See führen viele Pisten hinunter und es hätte bestimmt ein schönes Plätzchen für uns gegeben.

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Das Krankenhaus in Er Rachidia ist eine Privatklinik, und man behandelt uns hier genauso gut wie überall. Auch hier kommen wir vor allen anderen dran und der Arzt spricht sogar etwas deutsch. Das Röntgenbild ist ok und es gibt neue Medikamente. Wir fahren noch ein paar Kilometer an dem palmenbewachsenen Flussbett entlang und übernachten an dem kleinen Camping in Tissirt.

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Zwar sind wir umgeben von einer Handvoll Franzosen, aber zum ersten Mal gibt es richtige Palmen in Marokko! Zur Begrüßung gibt es einen Tee und das Abendessen wird uns sogar ins Wohnmobil geliefert: Eine sehr leckere Hähnchentajine! Luxus… Es ist auch zum ersten Mal richtig warm, so dass wir froh sind, die Hängematte doch eingepackt zu haben. Hier bleiben wir noch einen Tag.

PS: Ihr glaubt gar nicht, wie lange es dauert, so einen Blog zu schreiben 😉