Kreuz und quer durch Dänemarks Norden

Dieses Mal haben wir etwas mehr als eine Woche Zeit, um unser Lieblingsland zu bereisen. Da gleichzeitig Herbstferien in Hamburg und Niedersachsen sind, wollen wir aber weiter in den Norden als sonst, um den anderen Touris zu entgehen, was auch ganz gut klappt.

Zunächst fahren wir zum Limfjord und treffen uns mit Annika und Helge in Ejerslev. Hier kommt der Ostwind gut an und die Kulisse ist auch ziemlich klasse. Rechts und links vom Spot erhebt sich eine kleine Steilküste, die vom Wasser aus sehr beeindruckend aussieht. Am nächsten Tag reicht der Wind nur für das Foilboard. Also habe ich den Fjord für mich allein und mache eine kleine Tour, um die Gegend zu erkunden. Als ich das Auto nicht mehr sehen kann, aber mittlerweile an einer kleinen Insel vorbei gekreuzt bin, erreiche ich die Marina Ejerslev. Wie im Bilderbuch stehen ein paar schnuckelige Hütten in einer kleine Senke umringt von der Steilküste. Dazu noch Sonne. Mega. Ich mache mich auf den Rückweg, denn wir wollen noch 130 Kilometer bis zur Ostküste fahren. Dort ist die nächsten zwei Tage Wind angesagt. Auf dem Stellplatz der Marina Voerså wird unser neuer Grill eingeweiht. Da es schnell dunkel wird, hänge ich die Lichterkette unter die Markise. Ein Däne fährt vorbei und wünscht „Merry Christmas“.


Passend zur Jahreszeit haben wir auch neue Halloween Deko im Supermarkt gefunden.


Am nächsten Tag gehen wir hier aufs Wasser. Eigentlich ein unglaublich großer, stehtiefer Flachwasserspot, aber es ist kaum Wasser da. Wir müssen bis zur Sandbank laufen, bevor wir starten können. Nachmittags fängt es dann noch an zu regnen. Auch den ganzen nächsten Tag regnet es. Das Wasser ist wieder da, aber bei dem Wetter hat keiner Lust, raus zu gehen.


Die restliche Woche ist Westwind angesagt. Wir fahren quer durchs Land an die Westküste, nach Løkken. Als wir endlich einen Übernachtungsplatz gefunden haben, stellen wir mit Schrecken fest, dass unser großes Fenster undicht geworden ist. Das ist jetzt schon das zweite, das der Kabinenhersteller versaut hat. Noch im Dunkeln und im Regen klebe ich das Fenster notdürftig ab. Als der Regen am nächsten Tag eine Pause einlegt, mache ich das nochmal etwas ordentlicher. Das muss halten, bis wir wieder zu Hause sind.


Jetzt können wir uns endlich dem Strand widmen. Fast überall hier in der Jammerbucht darf man mit dem Auto auf dem Strand fahren. Und zwar von Ort zu Ort. Da wir einen Downwinder mit dem Kite machen wollen, fahren wir die 15 Kilometer erstmal ab um zu gucken ob wir überall durchkommen. Das erste Hindernis ist eine kleine Brücke über eine Art Bach. Sie besteht aus zwei Baumstämmen, auf die quer Bohlen gelegt wurden. Ich traue mich zuerst nicht, da ich nicht weiß, ob die Brücke das Gewicht aushält. Dann versuchen wir es einfach. Josi geht voraus, und mich einzuweisen. Die Brücke ist so schmal, dass auf jeder Seite nur ein bis zwei Zentimeter Luft sind. Das hat dann aber gut funktioniert. Der weitere Weg am Strand entlang ist einfach zu befahren. Allerdings muss man öfter mal durch ablaufendes Wasser fahren, welches eine tiefe Furche in den Strand gegraben hat. Ein Absatz ist dann doch ziemlich tief, so dass es beim Hinunterfahren so viel schaukelt, dass unsere Klamotten aus dem hinteren Schrank heraus fallen.


Als wir am nächsten Tag die Strecke erneut fahren, wird uns die Brücke fast zum Verhängnis. Der Regen beziehungsweise die dadurch entstandene Strömung im Bach hat auf der anderen Seite der Brücke einen halben Meter Sand weggespült. Als wir langsam über die Brücke fahren, bleiben die Vorderräder in diesem Loch auf der anderen Seite stecken und die Hinterräder drehen auf der nassen Holzbrücke durch. Ich schalte die Mitteldifferenzialsperre ein. Dadurch wird die Kraft unabhängig voneinander auf beide Achsen übertragen und die Vorderräder können sich so aus dem Loch befreien. Wie immer in solchen Situationen war es so aufregend, dass wir davon leider keine Fotos gemacht haben. Wir fahren am Strand bis nach Blokhus und starten von dort mit den Kites zurück nach Løkken.


Nachdem es nachts wieder geregnet hat, fahren wir am nächsten Morgen zum nördlichsten Punkt unserer Tour, um uns den Leuchtturm Rubjerg Knude anzusehen. Das besondere an diesem Leuchtturm ist, dass er langsam von einer Düne überwandert wird. Ursprünglich stand er zweihundert Meter von der Küste entfernt. Das Meer holt sich hier jedoch immer mehr Land zurück. Viel Zeit bleibt nicht mehr, bis der Turm irgendwann ins Meer stürzen wird.

Nachmittags kiten wir noch einmal die Strecke von Blokhus nach Løkken und machen uns dann auf dem Weg in Richtung Hanstholm. In dem kleinen Ort Ræhr kurz davor gibt es den Thy Mini Camping an einem Angelsee. Eine sehr liebevoll hergerichtete Anlage, in der man gut einen Zwischenstopp einlegen kann. Inklusive kostenlosem W–Lan.  
Bis zur nächsten Bucht bei Vigsø sind es nur sechs Kilometer. Hier sind wir zunächst wieder allein, erst später kommen noch ein paar andere Kiter dazu. Der Wind frischt so stark auf, dass ich unseren kleinsten Kite fliegen muss, was eigentlich nur einmal im Jahr vorkommt. Die angesagte Wellenhöhe von drei Metern passte später auch. Sehr viel Strömung war leider auch drin. Trotzdem ein toller Tag auf dem Wasser.


Wir flüchten vor dem Sturm nach Krik, in der Hoffung, dort windgeschützt auf dem Camping stehen zu können. Der hat aber leider schon geschlossen, wie so viele andere, bei denen wir vorbeigeguckt haben. Also parken wir vor dem Platz, mit der Nase gegen den Wind, damit es nachts nicht so viel schaukelt. Auch Helge und Annika parken später noch um. Trotzdem haben die Windböen so einen Lärm gemacht und am Auto gerüttelt, dass wir kaum geschlafen haben. Am nächsten Tag hört der Regen kurz auf und wir werden mit einer schönen Session auf dem Wasser belohnt. Hinter der Mole ist das Wasser spiegelglatt, so dass man dort super abspringen kann. Langsam füllt sich der Parkplatz und es wird voller auf dem Wasser.


Wir haben genug für heute und fahren zum nächsten Spot etwas weiter nach Süden. Aufgrund des Sturms ist die Fähre nach Thyborøn außer Betrieb, was einen Umweg von über einer Stunde bedeutet. Schließlich finden wir einen windgeschützten Übernachtungsplatz zwischen ein paar Bäumen und Büschen, wo wir die nächste stürmische Nacht verbringen. Windstärke 10 – 12 lässt uns aber erneut nicht ganz entspannt durchschlafen.


Am Secret Spot darf man nur bis Anfang Oktober Kiten, daher weichen wir zum Secret Spot 2 aus. Hier sorgt eine Landzunge ebenfalls für spiegelglattes Wasser. Heute ist sie so schmal dass man sogar drüber springen kann. Der strahlend blaue Himmel sorgt zusätzlich für gute Laune und wir haben erneut eine Megasession ganz allein auf dem Wasser.


Mit diesem tollen Abschluss, verabschieden wir uns aus Dänemarks Norden. Abends treffen wir noch Freunde, mit denen wir am nächsten Tag nach Vejers (Auto–)Strand fahren. Hier hat Josi mit ihrem Lieblingskite, dem 11er GTS4, noch mal richtig Spaß in den Nordseewellen, bevor wir endgültig die Heimreise nach Hamburg antreten.

Hier noch eine Karte dazu, allerdings ohne Anreise/Abreise und Secret Spots 😉

Sardiniens Ostküste und die teuerste letzte Stunde des ganzen Urlaubs


Wir verlassen den Süden der Insel und fahren vom Capo Carbonara über die SP18 nach Norden. Die Straße schlängelt sich in vielen Kurven und Serpentinen am Berg entlang. Es gibt wieder eine tolle Aussicht auf das Meer von oben. Vorbei an der Costa Rei mit schönen langen Sandstränden. Auch hier gibt es einige Surfspots, aber heute leider keinen Wind. Die Infrastruktur wird etwas touristischer. Wir sind auf die SP 97 abgebogen und fahren weiter nach Norden Richtung Capo Ferrato. 

Ohne Vorwarnung hört plötzlich der Asphalt auf und eine Schotterpiste beginnt. Auch diese Piste windet sich in Serpentinen um die Berge. Schon in der zweiten engen Kurve geht es sehr steil bergab. Die Piste ist durchzogen von tiefen Querrinnen. An dieser Stelle entscheiden sich Helge und Annika mit ihrem Wohnmobil umzudrehen und eine Alternativroute zu nehmen. Ihr Auto hätte diese Abfahrt wahrscheinlich nicht ohne Schäden überstanden. Dank unseres Allradantriebs und der Bodenfreiheit war das für uns jedoch kein Problem. Nach 4 km im ersten oder zweiten Gang haben wir wieder Asphalt unter den Rädern. Wir wollen uns den nächsten Strand ansehen, doch dort wartet schon das nächste Hindernis. Die Zufahrt ist zu eng und an beiden Seiten stehen Kakteen. Auch die nächste Zufahrt ist uns durch einen zu niedrig hängenden, dicken Ast versperrt. Ich kann Josi gerade noch überreden den Ast nicht abzusägen. Wir drehen um und fahren weiter. In Porto Corallo treffen wir Annika und Helge wieder. Die beiden haben einen schönen Stellplatz, den Bellavista Camper Service, gefunden. 

Der Platz ist günstig, sehr neu und verfügt sogar über eine Waschmaschine. Die Betreiber sind noch ziemlich jung und äußerst nett. Da niemand deutsch oder englisch versteht, findet die Kommunikation am Computer über Google Translate statt. So verbringen wir zum ersten Mal in diesem Urlaub eine Nacht auf einem kostenpflichtigen Platz und können gleich noch unsere Wäsche waschen. Am Nachmittag erreicht der Wind sogar zu foilen und ich bin ganz allein auf dem Wasser. 


Unsere nächste Etappe ist circa 200 km lang und soll uns über die SS125 durch Baunai, zum Capo Comino und zum Strand von La Caletta führen. Wir brauchen für diese Strecke jedoch einen kompletten Tag. Die Strecke führt uns nämlich wieder quer durch die Berge und durch unzählige Serpentinen. Die Aussicht entschädigt jedoch sämtliche Strapazen.


In La Caletta übernachten wir zwischen Bäumen am Strand. Man könnte meinen wir sind in Afrika.


Am nächsten Tag zieht Wind auf und man könnte hier eigentlich kiten gehen. Die benachbarten Parkplätze sind überraschend voll mit Wohnmobilen und Kitern, aber wir wollen noch weiter fahren und einen anderen Spot anschauen: San Teodoro/La Cinta. Die Zufahrt zum Parkplatz ist wieder Maßarbeit. Wir sind von der Anzahl der Kiter hier etwas überrascht. Es ist viel voller als an den anderen Spots, an denen wir bisher waren. Es ist so windig, dass wir zwei Tage hinter einander mit kleinen Kites auf’s Wasser können. Zur Belohnung gibt es danach jeweils eine Kugel leckeres italienisches Eis. Wir lernen hier Ilka und Adrian mit ihrem VW-Bus kennen, die wir bereits mehrmals an der Ostsee gesehen haben. Sie schließen sich uns für die nächsten Tage an. 


Auf der Suche nach dem nächsten Übernachtungsplatz müssen wir zweimal aufgrund zu niedriger Brücken umdrehen. Schließlich finden wir einen einsamen Parkplatz an einer schönen Bucht bei Marinella. Der Platz ist windgeschützt und wir sind die einzigen hier. Zitat Helge: Zumindest wird es eine ruhige Nacht heute. Doch er hatte die Rechnung ohne die italienischen Strandaufräumer gemacht. Um 4:36 Uhr werden wir von Baggerlärm und gelben Rundumleuchten aus dem Schlaf gerissen. Drei treckerähnliche Baugeräte, die beim Rückwärtsfahren auch noch Warntöne ausspucken, fangen an, den Strand zu reinigen und platt zu fahren. Wir sind erstmal hellwach, bis wir verstehen, was da mitten in der Nacht überhaupt vor sich geht. Die Trecker fahren im Minutentakt an unserem Nachtplatz vorbei. Erst mit Ohrstöpseln ist wieder an Schlaf zu denken. Nur Unsere VW-Bus Besatzung schläft so tief, dass sie von alledem nichts mit bekommt. 


Wir fahren direkt nach Porto Pollo und frühstücken auch erst dort. Auf der linken Seite darf man kiten, die rechte Bucht bleibt den Windsurfern vorbehalten. 


Da morgen erst Wind kommen soll, haben wir aber noch etwas Zeit, um uns noch einen Strand im Norden anzusehen. Wir fahren also eine Stunde weiter und bleiben die Nacht am Strand von Rena Majore. Hier stehen viele Wellenreiter und Windsurfer. Tatsächlich entwickelt sich hier ganz ohne Wind eine schöne, saubere Welle. 


Zurück in Porto Pollo steht uns nun der letzte Abend auf Sardinien bevor. Leider ist es kühl und stürmisch geworden. Es sieht aus als ob jede Minute ein Unwetter losgeht. Trotzdem grillen wir ein letztes Mal und freuen uns auf die für morgen angesagten 30 Knoten Westwind. Die kommen dann auch tatsächlich. Und zwar sehr kabbelig und so böig wie wir es selten erlebt haben. Einige von uns fanden das richtig sch… Für mich war es der beste Kitetag in diesem Urlaub. 


Zusammen mit Ilka und Adrian machen wir uns am Nachmittag nach Olbia auf, um dort noch eine Pizza zu essen und anschließend unsere Fähre zu erreichen. Die beiden verlassen heute auch die Insel, allerdings mit einem anderen Schiff. Die Pizza war wieder mal lecker, das Eis danach auch 😊. 

Auf dem Weg zum Hafen verfahren wir uns zweimal. Da die Schilder von Büschen überwuchert sind, finden wir erst beim dritten Anlauf die richtige Ausfahrt aus dem letzten Kreisel. Dann weist uns auch schon der erste Einweiser in die richtige Schlange, wo ein Securitymensch unser Ticket mit unseren Ausweisen vergleicht. Wir landen beim zweiten und dritten Einweiser und schließlich in der Schlange der Autos vor dem Schiff. Der Kollege, der dort unser Ticket einscannt, fängt auf einmal an, wild mit den Händen herum zu fuchteln und uns auf italienisch laut irgendetwas zu erzählen. Er zeigt auf das Datum des Tickets und als ich das schließlich mit dem heutigen Datum vom Handy abgleiche, fällt uns beiden die Kinnlade herunter: Unsere Fähre ging bereits gestern. Wie konnte uns das denn passieren? Und jetzt? Wir lassen den Wagen stehen und gehen quer durch den Hafen zum Fährbüro. Hoffentlich gibt es noch einen freien Platz auf dem Schiff. Das Ticket ist leider verfallen. Zum Glück ist noch Platz und es gibt sogar noch eine Kabine, aber wir müssen für 220 € ganz neues Ticket kaufen. Die Mitarbeiter sind so freundlich und haben noch einen Gutschein für uns so dass wir „nur“ 200 € bezahlen. Nachdem der Schreck überwunden ist, können wir über die Geschichte und unsere eigene Blödheit lachen. 


Wir haben jetzt fast einen Monat bis auf zwei Nächte immer kostenlos irgendwo übernachtet. Mit der Pizza, der letzten Tankfüllung und dem Ticket, ist die letzte Stunde jedoch die teuerste Stunde des ganzen Urlaubs geworden. 

Sardinien ist eine wunderschöne Insel. Nirgends haben wir bisher so viele traumhafte Strände und mit so karibischen Wasserfarben gesehen. Freie Übernachtungen waren zu dieser Jahreszeit immer problemlos. Die Italiener, mit denen wir zu tun hatten, waren extrem freundlich, offen und hilfsbereit, auch wenn es manchmal keine gemeinsame Sprache zur Verständigung gab. Einschränkungen gab es nur in der Wohnmobilver- und Entsorgung, kaum Mülleimer und fast alle Restaurants waren noch geschlossen. In der Saison sieht das wahrscheinlich viel besser aus, allerdings möchte man da eher nicht auf der Insel sein. Wenn man sich ansieht, wie groß einige Parkplätze sind, kann man erahnen, wie voll es hier werden kann. Wir behalten Sardinien in guter Erinnerung und kommen hoffentlich auch hierher irgendwann wieder zurück.