Bornholm: Strände, Ruinen und Familienzuwachs

Dänemark hat seine Grenzen vor kurzem wieder geöffnet und wir brauchen etwas Abwechslung von unseren vier Wänden. In letzter Zeit haben wir viel über Bornholm gehört und daraufhin hat Josi direkt mal eine Fährverbindung von Sassnitz (Rügen) nach Rønne auf Bornholm gebucht.

Bevor wir einreisen dürfen, braucht Josi aber noch einen negativen C-Test, den wir ohne Termin in einem Drive-In-Test-Center in Stralsund machen lassen. Das Center liegt neben dem Wohnmobilstellplatz und das Gute ist: Man kann sogar mit dem LKW in die Teststraße fahren. Das haben wir noch nirgends gesehen. Top!

Bis zur Abfahrt der Fähre haben wir noch einen Tag Zeit und wir steuern einen Platz in Thiessow, Klein Zicker an, den wir zum Glück schon Mittwoch gebucht haben, denn es sind Ferien und alles ist ausgebucht. Und das und alle anderen Leidensgeschichten lässt die Dame am Empfang auch jeden wissen. Aber die Sonne scheint, es ist windig und es sind nur fünf Kiter auf dem Wasser. Der Urlaub in Thiewaii fängt gut an.

Sonntag machen wir uns dann auf den Weg zur Fähre. Rügen ist voll, viel Verkehr, die Straßen eng. Ich muss mich sehr auf die Bäume an den Alleen konzentrieren und manchmal auch anhalten. Der Check In an der Fähre ist einfach: Strichcode vom Handy an den Scanner halten, die Schranke öffnet sich und man bekommt noch die Info, in welche Schlange man sich stellen soll. Der Schrankenautomat ist allerdings nur auf PKW-Höhe ausgelegt, aber ein Mitarbeiter ist behilflich und hält unser Handy an den Scanner. Die Überfahrt ist relativ unspektakulär, jedoch kann man die Kreidefelsen von Rügen sehr gut sehen.

Dann endlich wieder: Dänemark!

Wir steuern direkt Dueodde im Südosten der Insel an. Es gibt in der Gegend kaum Möglichkeiten, kostenlos zu übernachten. Es gibt zwar ein paar Parkplätze und auch kleine Häfen, an denen man stehen könnte. Jedoch wäre das mitten im Trubel, denn aufgrund des schönen Wetters sind sehr viele Badegäste unterwegs. Von Corona merkt man hier nichts. Es gibt auch einen Stellplatz am einzigen Weingut Bornholms, den lassen wir aus, da er in Straßennähe liegt. Wir entscheiden uns für den Dueodde Familiecamping, welcher uns auch empfohlen wurde. Auch hier sind die dänischen Ferien spürbar, aber die Inhaberin ist super freundlich und es gibt noch einen Platz für uns für ein paar Tage. Simon zeigt uns die möglichen Plätze. Er hat sämtliche Plätze und deren Belegungen im Kopf, obwohl es gar keine festen Plätze zwischen den Kiefern gibt.

Es fühlt sich hier an wie in Portugal, Frankreich oder Spanien. Die Kiefern spenden Schatten, was bei den Temperaturen auch dringend notwendig ist. Es riecht auch direkt nach warmer Waldluft. Zum Meer sind es noch 100 Meter durch die mit Büschen bewachsenen Dünen. Dann steht man vor dem größten Sandstrand der Insel, dessen Sand der feinste und weißeste in ganz Dänemark sein soll. Und das ist nicht gelogen.

Auf die Frage, ob man hier kiten darf, bekommen wir folgende Antwort: Ja klar. Du kannst auch überall in den Dünen herumlaufen. Die dänische Regierung möchte, dass wir draußen sind, an der frischen Luft herumlaufen und Sport treiben. Deswegen ist das alles hier erlaubt. Ich muss kurz an Deutschland denken…

Leider ist nur einen Tag etwas Wind, der gerade so zum Kiten reicht. Ich muss sogar auf das Foil umsteigen, weil es so wenig Wind ist. Trotzdem gefällt es uns hier sehr gut. Josi macht morgens Yoga, wofür es extra ein Yoga Zelt am Strand gibt. Aber wegen der Hitze findet das einfach direkt am Strand statt.

Wir gehen auch ungewöhnlich oft baden. Es ist einfach zu heiß, um etwas anderes zu tun. Sogar nachts sind es 25 Grad, wobei alle Fenster im Womo offen bleiben. Und wenn man mal nicht kochen will, gibt es am Campingplatz die beste Pizza, die wir je in Dänemark gegessen haben.

In den nächsten Tagen erkunden wir den Südosten der Insel mit dem Fahrrad. Wir finden viele Parkplätze (Camping verboten) und Badestellen. Bei Boderne ist es so voll, dass ein Ausweichparkplatz geschaffen wurde, der genau das richtige für unseren Allradler wäre.

An der Eisdiele wird uns eine andere Art der Eiszubereitung gezeigt: Es gibt eine kalte Platte, auf die etwas Sahne und, je nachdem welches Eis man möchte, z.B. Erdbeeren gegeben werden. Dann wird alles mit einem Spachtel zerkleinert und gerollt. Das Eis entsteht also erst auf der Platte. Man muss nicht viele Eissorten vorhalten und mit hohem Energieverbrauch kühlen, sondern zieht einfach abends den Stecker für die Kühlplatte. Der Eismann hat sich die Methode auf seinem Trip in Kambodscha abgeguckt.

Als feststeht, dass es keinen Wind mehr geben wird, machen wir uns entlang der Nordküste auf den Weg in den Nordwesten. Direkt hinter dem Ort Nexø wird es sehr hügelig. Es gibt fast keine Sandstrände mehr, nur noch Felsen. Die Küste erinnert an Norwegen. Unsere nächste Basis ist der Campingplatz Sandvig. Auch hier werden wir herzlich empfangen. Die ältere Dame an der Rezeption ist immer lustig drauf und macht Scherze … ich muss wieder kurz an Deutschland, speziell Rügen denken…

Die Gegend hier oben ist von Felsen geprägt. Die kleine Sandbucht ist ebenfalls voller Badegäste, sodass wir lieber mit dem Rad die Gegend erkunden. Die Orte an der Westküste sind klein, die Häuser drängen sich an die steilen Berge. In Hammerhavn gibt es einen Wohnmobilstellplatz mit Meerblick. Hier stehen auch zehn Mobile. Es wirkt jedoch ungemütlich, da eine Art Seenebel aufgezogen ist und die Küste in Nebel hüllt.

Die nächsten beiden Orte haben mich neben dem weißen Strand in Dueodde am meisten beeindruckt: Hammershus Slotsruin und Vang Granitbrud.

Hammershus ist die größte in Europa erhaltene Burgruine. Sie thront auf einem Felsmassiv und wirkt schon aus der Ferne beeindruckend. In einem fußläufig gelegenen Besucherzentrum kann man viel über die Geschichte der Gegend erfahren. Immer noch beeindruckend.

Hammershus Slotsruin

In Vang gibt es neben dem kleinen Hafen noch einen stillgelegten Steinbruch, in dem Granit abgebaut wurde. Um in per Schiff abzutransportieren, hat man einen Spalt in den Felsen gehauen und einen separaten Pier angelegt. Der Pier dient nun als geschützter Badestrand. Im Steinbruch kann man klettern und Mountainbike fahren. Es gibt einen Grillplatz mit Shelter und der Parkplatz oberhalb des Steinbruchs eignet sich auch als Übernachtungsplatz mit grandioser Aussicht.

Um mit dem Auto dorthin zu gelangen, fährt man durch einen anderen Teil eines stillgelegten Steinbruchs. Eine ungewöhnliche Kulisse. So etwas frei zugänglich in Deutschland – nicht vorstellbar.

In Sandvig hat Josi einen neuen Freund gefunden: Wir nennen ihn Holmi (von Bornholm) und es ist ein kleiner Feigenbaum. Diese nördlichste Feigenart ist winterhart und wohnt ab jetzt bei uns.

Einen Tag vor unserer Rückfahrt, schauen wir uns noch ein paar Parkplätze und Strände an der Westküste an. Keiner eignet sich für eine Übernachtung, jedenfalls nicht in der Ferienzeit. Wir gehen wieder baden, diesmal bei Kullatippan. Als während des Zweiten Weltkriegs Ton und Sand aus den Kohleflözen weiter landeinwärts im heutigen Rubinsø entfernt wurden, wurde er auf Muldenkipper verladen und an den Strand gefahren und hier abgelagert. Auch wenn es mittlerweile weit über 50 Jahre her ist, ist das Gebiet immer noch fast wüstenartig, nur durchzogen von Regenwasserschluchten.

Kullatippan
Kullatippan
Kullatippan
noch ein Steinbruch

Auf einem Parkplatz in Rønne verbringen wir die letzte Nacht vor der Fähre. Von hier aus erkunden wir die größte Stadt der Insel, die jedoch hauptsächlich vom Fährhafen geprägt ist. Auch heute sind es knapp 30 Grad Celsius, daher gehen nach unserer Tour ein letztes Mal baden.

Die Rückfahrt ist mal wieder entspannt, die Fähre relativ leer. Wir machen es uns auf zwei Liegeflächen gemütlich und die dreieinhalb Stunden sind schnell vorbei.

Auf Rügen ist wieder Wind, diesmal aber richtig! Daher fahren wir zum nächstgelegenen Spot in Polchow am Jasmunder Bodden. Der Weg dahin führt über sehr enge alte Straßen, an denen es extra Ausweichbuchten gibt. Eine ältere Radfahrerin kommt uns entgegen und anstatt kurz an der Bucht zu warten, fährt sie weiter und pöbelt uns an weil wir nicht ausweichen. Wohin denn auch? Willkommen zurück auf Rügen.

An einer kleinen Marina kann man parken und aufbauen. Ein Local mit Kölner KFZ-Kennzeichen (is klar..) wollte uns erzählen, dass wir nicht bei den Locals starten sollen und auf keinen Fall diesen so geheimen Spot (an dem es eine Kiteschule und ein Hostel gibt) auf irgendwelchen Karten markieren sollen.

Es sind aber noch ca. 20 andere Kiter da. Alle sind sehr nett und wir haben viel Spaß auf dem Wasser. So endet unser Bornholm-Urlaub wie er begonnen hat: Mit einer tollen Kite Session auf Rügen.

Unser Fazit:

Bornholm ist keine Kite-Insel, aber auf jeden Fall einen Urlaub wert. Der schönste Strand funktioniert leider nur bei den seltenen östlichen Winden. Frei stehen ist schwierig, aber es gibt ein paar mögliche Plätze oder Häfen. Es gibt noch viel mehr Dinge zu entdecken, darunter Wasserfälle und Schluchten, jedoch sollte man die (dänische) Ferienzeit meiden. Mit dem Auto braucht man nur eine Stunde, um die Insel zu überqueren, aber mit den Rädern sieht man einfach mehr. Wir haben in den paar Tagen ca. 150 km auf ihnen zurückgelegt. Mit Ausnahme des Feigenbaums konnten wir alles per mobile Pay mit dem Handy bezahlen. Unsere dänischen Gastgeber waren im Gegensatz zu unseren eigenen Landsleuten auf Rügen immer sehr gut gelaunt, freundlich und hilfsbereit und darum mögen wir dieses Land einfach.

PS: Unsere Test- und Impfnachweise wurden weder in Dänemark noch in Deutschland kontrolliert. Ich bekam jedoch bei der Rückreise eine SMS vom Netzbetreiber mit Einreisehinweisen und Pflichten in Bezug auf Corona.

2 Antworten auf „Bornholm: Strände, Ruinen und Familienzuwachs“

  1. Schön wieder von euch zu lesen.
    Toller Bericht über Bornholm.
    Macht Lust auf Meer und Dänemark 🇩🇰.
    Liebe Grüße
    Claus und Steffi
    5off

  2. Oh, wieder mal Post – wie schön 🤩 für uns geht’s in 1,5 Wochen nach Dänemark. Wir freuen uns auf Meer, was es im Rhein-Main-Gebiet ja leider nicht gibt 😉

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