Gipfelstürmen in Bayern

Ich habe endlich mal wieder Zeit und Lust gefunden, dem Blog wieder etwas Leben einzuhauchen. Wenn man unsere Hochzeitsreise im November 2019 nach Brasilien und die Karibik-Katamaran-Kite-Tour im März 2022 mal außen vor lässt, haben wir in den letzten zwei Jahren keine großen Touren mit dem LKW unternommen, und gerade für diese Touren hatte ich unseren Blog ja mal ins Leben gerufen.

Das war einerseits pandemiebedingt, andererseits hatten wir aber auch mit einer undichten Vorderachse sowie mit einem defekten Rollenlager im Verteilergetriebe zu kämpfen. Jemanden zu finden, der sich die Reparatur zutraute ohne uns ein Vermögen dafür abzuknöpfen, hat entsprechend lange gedauert.

Im Oktober 2022 ist es dann endlich wieder soweit. Josi und ich machen uns auf den Weg nach Süden.

Erster Stopp ist nach nur drei Stunden Fahrt bei Tommy, Steffi und Moritz in Hannover. Von dort starten wir nach einem guten Frühstück am Samstag auf die A7 und schaffen es bis zum Stellplatz in Bayreuth. Wir gehen zünftig Essen und schauen uns die Innenstadt an. Beides war super, das merke ich mir mal für die nächste Tour nach Süden.

Frühstück bei Gerstmanns
Bayreuth
Bayreuth

Am Sonntag liefere ich Josi in Lenggries-Fall ab. Sie nimmt dort an einem einwöchigen Seminar teil, während ich eine Woche Zeit habe, Bayern (und Österreich) etwas besser kennenzulernen. Schon die Lage von Josis Hotel am Sylvensteinsee bietet eine beeindruckende Aussicht. Direkt daneben ist mein Stellplatz für die nächste Nacht.

Stellplatz Lenggries-Fall
Sylvensteinsee
Sylvensteinsee

Tags darauf folge ich der Hauptstraße, die quasi eine Sackgasse ist und irgendwann in einem Tal in Österreich endet. Nur weil ich so neugierig bin und wissen will, was am Ende des Tals ist, fahre ich die Straße bis zum Ende. Das letzte Stück ist sogar mautpflichtig, aber es lohnt sich. Eine Landschaft wie im Bilderbuch! Und zufällig bin ich genau zur richtigen Zeit hier, nämlich im Herbst, wenn sich die Blätter goldig färben. Der Weg führt durch den „Großen Ahornboden“ und es ist einfach grandios. Aber seht selbst.

Am Ende der Straße gibt es einen großen Parkplatz (auf dem man leider nicht übernachten darf). Von dort aus starte ich spontan eine Wanderung und laufe einfach den anderen Wanderern hinterher, die auch hier starten. Ich hatte gar nicht in Erinnerung, wie anstrengend wandern ist, wenn man nicht nur im Flachland herumläuft! Aber das Wetter und die Aussicht über die Alm entschädigen dafür.

Als ich ungefähr am höchsten Punkt ankomme, schaue ich mal in einer Wander-App, ob es einen Rundweg gibt, oder ob ich den gleichen Weg zurückgehen muss. Ich finde einen Rundweg und treffe unterwegs auch andere, die sich diesen Weg ausgesucht haben. Jedoch wird es immer steiler und steiniger. Man muss fast klettern und ich zweifle, ob das wirklich der richtige Weg ist. Mich überholen jedoch zwei Sportler, die ich direkt frage und beide bestätigen, dass ich richtig bin, aber es noch etwas schwieriger wird. Die Skifahrer würden es eine schwarze Piste nennen…

Der Große Ahornboden von oben

Tatsächlich wird es so steil, dass man mit jedem Schritt auf den losen Steinen ins Rutschen kommt und immer so 30 Zentimeter wie im loosen Sand einer Düne bergab rutscht. Dann wieder feste Steile Streckenabschnitte und ein Geröllfeld ohne sichtbaren Weg. Ich überhole zwei Damen, von denen eine auf dem Popo hinunter rutscht und die andere mit zwei zitternden Beinen der Verzweiflung nah auf dem Trampelpfad steht und nicht mehr weiter kann. Oh je, wie soll die da jemals runter kommen? Aber sie hat ein Handy dabei…

Am Ende zittern auch mir die Knie. Zurück am Parkplatz treffe ich einen der Sportler wieder, der seine Füße im eiskalten Fluss kühlt. Was für eine super Idee! Ich tue es ihm gleich, allerdings mit einer leckeren Fritzbrause Honigmelone 🙂

Was für ein toller Tag mit vielen neuen Eindrücken! Mich hat das Wanderfieber gepackt. Josis Tag war ebenfalls anstrengend, allerdings auf eine andere, berufliche Weise. 🙈

Die Nacht verbringe ich erneut am Stellplatz in Lenggries-Fall, um am nächsten Tag über die mautpflichtige Wallberg-Panoramastraße auf den Wallberg zu fahren. Die Steigung ist beachtlich. Da es nebelig ist, sind kaum andere Menschen unterwegs. Oben am Parkplatz angekommen lichtet sich der Nebel überraschend und ich frühstücke erst einmal. Die Aussicht auf den Tegernsee gibt es kostenlos dazu.

Blick nach Norden auf den Tegernsee

Auch hier gehe ich eine kurze Tour, bevor ich mich nach Bad Aibling auf den Weg mache. Dort bin ich nämlich mit Susi und Mischa von kitejunkie.com verabredet. Schon seit circa drei Jahren darf ich mich Teamfahrer bei Kitejunkie nennen und erst dieses Jahr schaffe ich es auf einen Besuch bei den beiden. Abends gehen wir lecker griechisch essen und ich kann im Innenhof bei Mischa übernachten. Danke an dieser Stelle für den schönen Abend!

Übernachten bei Kitejunkie

Nachdem die beiden mir zum Wandern die Region um den Spitzingsee empfohlen haben, fahre ich am nächsten Tag direkt dort hin. Der Stellplatz liegt direkt am Wasser, es gibt Ver- und Entsorgung und das Wetter ist super.

Stellplatz Spitzingsee
Room with a view

Es ist zwar schon kurz nach dem Mittag, aber ich wandere direkt mal los. Erst durch den Ort und südlich um den See herum. Dann vorbei an der unteren und oberen Firstalm. Ein bisschen höher möchte ich noch und ich nehme den Brecherspitz Vorgipfel (1643m) ins Visir. Der Weg dahin geht steil bergauf über eine Wiese. Ich bin bereits auf Höhe der Wolken, die ab und zu vorbeiziehen. Eine beeindruckende Szenerie, die ich aus Norddeutschland natürlich so gar nicht kenne. Bis zum Vorgipfel dürfte es nicht mehr allzu weit sein.

Als ich dort ankomme, staune ich erneut über die unglaubliche Aussicht. Nun kann man bis zum Gipfel gucken. Um dorthin zu gelangen, muss man allerdings über einen schmalen Grat klettern. Diese Herausforderung ruft ja förmlich nach mir!

An einigen Stellen gibt es ein Stahlseil an dem man sich festhalten kann. Was für ein Abenteuer! Nach weiteren zwanzig Minuten bin ich am Gipfel Brecherspitz (1683m). Ganz allein über den Wolken mit einer grandiosen Aussicht. Ich kann dieses Gefühl gar nicht in Worte fassen! Daher gibt`s einfach ein paar Bilder mehr.

Nach einer kurzen Pause muss ich mich auch schon auf den Rückweg machen. Im Tal scheint bereits keine Sonne mehr und als ich zurück im Wohnmobil bin, gehe ich erstmal duschen. Wandern ist doch eine schweißtreibende Angelegenheit. Noch schnell was warmes essen und ab ins Bett.

Der Rückweg

Am nächsten Tag geht es mit der Taubensteinbahn auf die östlichen Berge des Spitzingsees. Der erst Gipfel ist schon nach fünfundzwanzig Minuten erklommen: Der Taubenstein (1693m). Kurz nach mir treffen zwei einheimische nette Herren ein, die ein Foto für mich knipsen.

Es stellt sich heraus, das wir den gleichen Weg haben und so schließe ich mich ihnen an. Die beiden sind flott unterwegs und bald haben wir den zweiten Gipfel für heute geschafft: Die Rotwand mit 1884m. Ich kann mit den beiden gerade so mithalten und als sich im Gespräch dann herausstellt, dass sie 65 und 72 Jahre alt sind, fällt mir fast die Kinnlade herunter. Respekt vor so viel Fitness in dem Alter!

So romantisch stellt man sich den Gipfel vor.
Und so sieht es in der Realität aus 😅

Unser letztes gemeinsames Ziel ist das Taubensteinhaus. Es gibt eine leckere Frittatensuppe bei Bier und Radler. Nach einigen Stunden Wanderung mit diesen beiden wirklich netten Bayern trennen sich nun unsere Wege. Die beiden laufen zurück zum Parkplatz während ich noch einen Abstecher zum dritten Gipfel für heute mache: dem Raukopf (1689m).

Ich würde sagen das war der einfachste Gipfel bisher. Bis zur Seilbahn sind es nur ein paar Minuten zu Fuß. Eigentlich wollte ich im Dorf noch was essen gehen, aber die vielen Verbotsschilder haben mich abgeschreckt, das war mir dann doch zu unsympathisch. 😬🤣

Die Nacht verbringe ich nochmal am See. Und dann ist die Woche auch schon vorbei. Für mich war die Woche „allein auf Wanderschaft“ eine tolle neue Erfahrung.

Auch für Josi war die Woche im Seminar eine außergewöhnliche Erfahrung. Am nächsten Tag hole ich sie aus Lenggries-Fall ab und dann geht`s direkt weiter nach Italien. Aber das ist eine andere Geschichte…

2 Antworten auf „Gipfelstürmen in Bayern“

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